Meinung : Warum in die Ferne schweifen Von Alfons Frese

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Dingolfing 1973, Regensburg 1986, Spartanburg/South Carolina 1994 und nun Leipzig 2005 – mit diesen Orten verbindet sich der weltweite Erfolg der Bayerischen Motorenwerke. Nach und nach mussten neue Werke her, um die stetig steigende Nachfrage decken zu können. Der Absatz hat sich im letzten Jahrzehnt auf zuletzt 1,2 Millionen Fahrzeuge pro Jahr mehr als verdoppelt und soll bis 2008 weiter auf 1,4 Millionen Stück wachsen. Kein anderer deutscher Autohersteller ist mit seiner Modellpolitik so erfolgreich wie BMW. Das erfolglose und viele Milliarden teure Engagement bei Rover ist längst verkraftet. BMW ist heute so stark und profitabel wie nie zuvor. Ein guter Zeitpunkt für eine feierliche Werkseröffnung. Und ein so schöner Tag für Leipzig, Sachsen und Deutschland, dass sich ein Bundeskanzler und drei Ministerpräsidenten in die neue Fabrik aufmachten.

Auch der Politik ist es zu verdanken, dass das Werk in Leipzig und nicht im tschechischen Kolin oder dem französischen Arras eröffnet wird. Mit deren Arbeitskosten konnte Leipzig nicht mithalten, doch es gab andere Faktoren. Die Politik sorgte für eine optimale Verkehrsanbindung, günstige Flächen und eine fette Förderprämie; die Arbeitsagenturen qualifizierten Arbeitslose und die IG Metall ließ sich auf außerordentlich flexible Arbeitszeiten ein. Schließlich rundete die geographische Lage die Argumentation für Leipzig ab: Die BMWWerke in Bayern und deren Zulieferer sind nicht weit entfernt, die wachsenden Absatzmärkte in Osteuropa auch nicht.

Alles in allem ist BMW mit Leipzig, mit inzwischen weltweit 22 Produktionsstätten und 106000 Mitarbeitern, für die kommende Jahre bestens präpariert. Und das nächste Werk wird kommen. Wahrscheinlich in Indien, weil die Produktion dahin geht, wo der Markt ist. Das gehört zu den Selbstverständlichkeiten eines global aufgestellten Unternehmens, auch wenn dessen Wurzeln in Bayern liegen.

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