Meinung : „Warum nicht einen Film gegen Amerika?“

Thomas Seibert

Der türkische Regisseur Serdar Akar ist mit seinen 42 Jahren ein talentierter und in seiner Heimat angesehener Vertreter des jungen türkischen Kinos. Ein nationalistisch eingefärbter Action-Reißer wie „Tal der Wölfe-Irak“ passe eigentlich nicht zu Akars bisherigen Werken, sagen türkische Filmexperten: Ihm sei es bei dem Projekt wohl nur ums Geld gegangen. Akar selbst kann den Wirbel um seinen neuesten Film nicht so recht verstehen: „Warum soll es denn keinen antiamerikanischen Film geben?“ fragte er, als im In- und Ausland die Kritik an „Tal der Wölfe“ wuchs. Inzwischen will sich der Regisseur nicht mehr äußern; jeder solle sich sein eigenes Bild machen, sagt seine Produktionsfirma.

Für die Regie von „Tal der Wölfe“ war Akar der offensichtliche Kandidat: In den letzten Jahren leitete er die Dreharbeiten zu der gleichnamigen Fernsehserie, auf der die Kinogeschichte vom „türkischen Rambo“ basiert. Dabei ist Akar beim türkischen Publikum eigentlich für anspruchsvollere Filme bekannt. Den Durchbruch in der Türkei schaffte der Absolvent einer Istanbuler Hochschule 1998 mit dem Film „Gemide“ („An Bord“), der die Geschichte von vier türkischen Seeleuten erzählt. „Gemide“ brachte Akar eine Reihe von Preisen ein, ebenso wie sein Fußballdrama „Kurzpässe auf engem Raum“.

Akar drehte „Tal der Wölfe“ innerhalb von sieben Wochen in der südosttürkischen Stadt Gaziantep und hatte dabei ein Budget von zehn Millionen Dollar zur Verfügung – mehr als jeder andere türkische Regisseur vor ihm. Rund 3000 Schauspieler und Komparsen spielten mit, viele Spezialeffekte kamen zum Einsatz. Doch trotz aller Superlative wurde der Film von der türkischen Presse fast einhellig zerrissen. „,Tal der Wölfe‘ ist sein bisher schlechtester Film“, sagt der Istanbuler Filmkritiker Ugur Vardan über Akar.

Zumindest die finanzielle Seite hat sich für Akar gelohnt. Der Film hat die für türkische Verhältnisse sehr hohen Produktionskosten schon nach kurzer Zeit eingespielt. Allein in der Türkei haben mehr als drei Millionen Menschen den Actionfilm gesehen, in Deutschland bereits mehr als 100 000. Dafür muss sich Akar nun damit abfinden, dass sein Name für ein antiamerikanisches und antiwestliches Machwerk steht. Türkische Filmfans hoffen, dass Akar nun nicht so weitermacht. „Vielleicht kehrt er ja wieder zu seinem vorherigen Stil zurück“, sagt der Filmkritiker Vardan.

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