Meinung : Warum nicht nach Zehlendorf?

„Wer hat Angst vorm Flüchtling?“

vom 28. Juli

Unsere Verfassung garantiert – aus gutem Grund – den Schutz von Flüchtlingen, die bei uns Schutz und Hilfe suchen. Auch sind diese Flüchtlinge aus unvorstellbar üblen Verhältnissen geflohen, die sich ein Bürger unseres Landes nicht vorzustellen vermag. Aber, was mich immer noch sehr stört, ist das Ausblenden eines krassen Missverhältnisses: Wieso eigentlich werden solche Unterkünfte in Bezirken errichtet, in denen Menschen leben, die selbst mit schwierigen Lebensverhältnissen zu kämpfen haben, die selbst gerade mal das Nötigste zum Leben besitzen und das Gefühl haben, nichts abgeben zu können? Weshalb wird es Bürgern in einem schwierigen sozialen Umfeld zugemutet, weitere Opfer zu bringen? Menschen, die ohnehin zu den Verlierern unseres Systems gehören? Aus welchem Grund wird ein solches Flüchtlingsheim nicht in Zehlendorf, Wannsee, Nikolassee oder Frohnau eingerichtet? Wo es mehr als genügend Platz gibt, wo es grün ist und die Schulen ausgezeichnet sind?

Könnte es daran liegen, dass die politische Klasse unserer Stadt genau dort lebt und es nicht haben möchte, beim Edel-

Einkauf den Flüchtlingen zu begegnen? Ist es nicht vielmehr der Fall, dass diese politisch Verantwortlichen ihre Kinder viel lieber mit ihresgleichen im bildungsbürgerlichen Umfeld sehen, wo bereits diese mit iPhone und 200-Dollar-Turnschuhen ein sauberes Bild abgeben?

Fragen wir uns, wieso es möglich ist, dass wohlhabende, unternehmerisch

Tätige ihre Einkommenssteuern kleinrechnen können, aber Arbeitnehmern die Lohnsteuer sofort weggenommen wird. Alles Leute, die nichts zu bestimmen haben und die auch nicht in die

Verlegenheit kommen, mitreden zu können. Die, die es betrifft, sind außen vor. Und diejenigen, die politisch bestimmen, schotten sich ab. Also, wer zahlt hier die Zeche?

Gabriele Hänsel, Berlin-Wilmersdorf

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