Meinung : Warum wird der Strom immer teurer?

Foto: promo
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„Energiewende: Ein Stimmungsbild“ vom 29. August

Sehr geehrte Damen und Herren,

Vattenfall kündigt für die kommenden acht Jahre bis 2020 bedingt durch die Energiewende eine Erhöhung der Stromkosten um 30 Prozent an. In den letzten acht Jahren sind die Stromkosten sogar um deutlich mehr als 30 Prozent gestiegen ohne Energiewende. Was will uns der Chef von Vattenfall eigentlich sagen? Dass

bei Vattenfall kontinuierliche Preissteigerungen gesichert sind?

Dieter Gabriel, Berlin-Lichtenrade

Sehr geehrter Herr Gabriel,

seit der Einführung von Wettbewerb im Strommarkt haben wir Kunden die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln und Kosten zu sparen. Davon machen immer noch zu wenig Menschen Gebrauch. Abgesehen davon ist Ihre Beobachtung natürlich richtig: Die Strompreise in Deutschland sind gestiegen und werden steigen. Allerdings gibt es zwischen den Anbietern deutliche Unterschiede.

Allzu gerne wird von interessierter Seite den Erneuerbaren Energien der schwarze Peter für diese Entwicklung zugeschoben. Schauen wir uns die Fakten an: Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 ist der Strompreis für Privathaushalte von damals 15 Cent um etwa 10 Cent auf rund 25 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Die Förderung der Erneuerbaren durch die sogenannte EEG-Umlage ist mit aktuell 3,59 Cent allerdings nur für gut ein Drittel dieses Anstiegs verantwortlich. Für zwei Drittel des Preisanstiegs gibt es andere Ursachen, zum Beispiel die gestiegenen Brennstoffkosten für Kohle und Gas bei den konventionellen Kraftwerken. Die beste Versicherung gegen eine Abhängigkeit von Importpreisen für fossile Energieträger in der Zukunft ist der Umstieg auf Erneuerbare Energien.

Dies gilt umso mehr mit Blick auf die künftig zu erwartende Preisentwicklung: So ist einerseits kaum anzunehmen, dass die Preise für fossile Energieträger künftig sinken werden. Gleichzeitig hat die Förderung der Erneuerbaren Energien einen Technologieschub bewirkt – und angesichts der Dynamik bei den Erneuerbaren Energien ist weiter damit zu rechnen, dass die Kosten für jede mit Wind oder Sonne erzeugte Kilowattstunde weiter sinken werden. Bereits heute stehen einzelne Technologien wie etwa Windkraftanlagen an Land an der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit – das heißt, sie können Strom zu Kosten wie beispielsweise Gaskraftwerke produzieren.

Im Jahr 2013 wird die EEG-Umlage voraussichtlich auf rund 5 Cent ansteigen. Ein Grund dafür ist, dass die EEG-Umlage auf immer weniger Zahler umgelegt wird. So müssen viele stromintensive Betriebe nur einen Bruchteil der EEG-Umlage zahlen, die von den übrigen Stromverbrauchern geleistet wird. Die Beträge, die der Industrie damit erspart bleiben, werden in der EEG-Umlage der normalen Verbraucher aufgefangen. Rund ein Drittel EEG-Umlage entfällt allein auf diesen Effekt. Im Prinzip gibt es dafür auch gute Gründe – dann nämlich, wenn stromintensive Firmen in einem harten internationalem Wettbewerb stehen und ihr Geschäft sonst ins Ausland verlagern würden. Dass diese Ausnahmen inzwischen aber auch für Unternehmen gelten, die überwiegend oder ausschließlich auf den heimischen Markt orientiert sind, finde ich absurd.

Die Förderung der Erneuerbaren Energien hat allerdings nicht nur kostensteigernde, sondern auch kostensenkende Wirkungen. Je mehr Wind- und Solarstrom angeboten werden, umso mehr fallen an der Strombörse die Großhandelspreise. Erneuerbare Energien verdrängen dort die teuren, preissetzenden Kohle- und Gaskraftwerke. Die Großhandelspreise für Strom sind in den letzten Jahren deutlich gefallen. Leider wurden diese Preissenkungen bislang noch nicht an die Kunden weitergegeben. Daher noch mal mein Appell: Angebote prüfen! Mehr Wettbewerb am Strommarkt hilft uns Konsumenten.

Ein grundsätzlicher Punkt ist mir wichtig: Ja, die Energiewende wird Geld kosten. Strom wird nicht billiger werden. Aber die Investitionen, die wir jetzt tätigen, sind Investitionen in die Zukunft, in eine klimaverträgliche, ressourcenschonende und nuklearfreie regenerative Stromversorgung. Deutschland wird sich schrittweise unabhängig machen von teuren Energieimporten.

Hinzu kommt: Auch ohne die Energiewende müsste kräftig ins Energiesystem investiert werden. Die existierende Stromversorgung ist von einem Kraftwerkspark geprägt, der langsam aber sicher veraltet. Würden nun also neue konventionelle Kraftwerke, die fossile Brennstoffe wie Kohle oder Gas nutzen, gebaut, müssten auch diese Investitionen über den Strompreis bezahlt werden. Billiger würde dies ganz sicher nicht. Und auch der Netzausbau ist lange Zeit vernachlässigt worden. Langfristig sind Investitionen in Grüne Energiequellen deshalb die kostengünstigere Variante. Wir sollten die Energiewende daher vor allem als eine große Zukunftschance begreifen.

— Rainer Baake, Direktor Agora Energiewende, Berlin

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