Meinung : Was hat die Woche gebracht ...

Clemens Wergin

...für Christen

Ein wenig Demut. Zwar ist die Epoche vorbei, in der Christen andere allein wegen ihres Glaubens über die Klinge springen ließen. Aber Bushs Reden vom "Kreuzzug" ruft Zeiten wach, in denen Christen in Jerusalem ein fürchterliches Blutbad anrichteten. Und auf dem Weg ins Heilige Land erst einmal die eigenen Juden abschlachteten. Friedrich II., deutscher Kaiser und König beider Sizilien, schloss bei seinem Kreuzzug 1229 lieber ein Abkommen mit dem Sohn Saladins: Er bekam die heilige Stadt, bis auf den Tempelberg. Jerusalem musste dafür allen Religionen offen stehen. Die friedliche Einigung mit den Ungläubigen nahm der damalige Papst sehr übel. Heute spricht sich Johannes Paul II. gegen einen Militärschlag aus - andere Zeiten.

...für Muslime

Al-Malik al-Kamil, der Sohn Saladins, verzichtete im Vertrag mit Friedrich auf Teile der Eroberungen seines Vaters - eine Verständigung, die erleichtert wurde, weil Friedrich Arabisch besser sprach als Deutsch. Jassir Arafat, der sich als Nachfolger Saladins sieht, könnte sich an dessen Sohn ein Beispiel nehmen. Und statt der Sprache des Hasses, die er seit Monaten über seine Medien verbreitet, die der Verständigung suchen. Für Arafat und Muslime weltweit gilt seit dem 11. September: Man wird es ihnen nicht mehr durchgehen lassen, wenn sie Extremisten und Terroristen in ihrer Mitte dulden.

...für Männer

Wie oft wurde in den letzten Jahren der "neue Mann" ausgerufen, der sich rührend um Kinder und Gattin kümmert und geübt ist im Gebrauch von Cremes und Duftwässerchen. Jetzt ist wieder der Krieger gefragt, der die Ideale des Abendlandes gegen das Böse verteidigen soll. War das mit den Fango-Packungen nicht anders gemeint?

...für Frauen

Soziobiologen meinen, Frauen seien nicht unbeteiligt daran, dass der kriegerische Mann alle Zivilisierungsversuche überdauerte. Sie haben herausgefunden, dass Frauen in ihrer Mehrheit Männer mit weiblichen Charakterzügen bevorzugen. Nur: In Zeiten des Eisprungs häufen sich statistisch die Seitensprünge - dann würden eher agressive Männer gewählt, deren Gene sich so vererben. Wem das zu biologistisch klingt, sei auf die ägyptische Autorin Alifa Rifaat verwiesen. Sie erzählt von arabischen Müttern, die ihre Töchter aus Frustration in die Rolle drängen, unter der sie selber leiden. Viele afghanische Frauen waren dabei, diesem Teufelskreis zu entkommen, als sie von den Taliban aus dem öffentlichen Leben vertrieben wurden. Dass der Westen sich erst jetzt dafür interessiert, zeigt vielleicht auch, was uns Frauenrechte wert sind.

...für Versicherungen

Versicherungsvertreter malen immer alle Schrecken der Welt an die Wand - um uns dann dagegen zu versichern. Einmal die Police in der Hand meinen wir, sie würde uns magisch schützen - dabei soll sie ja nur im Schadensfall das Zusammenkehren der Scherben finanziell erleichtern. 1,2 Millionen Tonnen Schutt in New York kann man aber nicht eben mal so zusammenfegen. Deswegen wollen die Assekuranz-Konzerne Flugzeuge nicht mehr gegen Krieg und Terror versichern. Der Staat soll einspringen. Das kann man feige oder ökonomisch sinnvoll nennen. Mal sehen, ob der Staat dann auch die Versicherungsprämien überwiesen bekommt. Richten muss er es am Ende sowieso immer.

...für Versicherte

Die Deutschen sind das am höchsten versicherte Volk der Welt. Dass die gewünschte Sicherheit aber nicht über Policen, sondern von der sonst so langweiligen großen Politik hergestellt wird, das dämmert uns gerade.

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