Meinung : Was hat die Woche gebracht ...

Clemens Wergin

für Neoliberale

Die USA galten bisher als Hort der Deregulierung. Präsident Bush war angetreten, die Amerikaner weiter aus der Zwangsumarmung des "bösen Staates" zu befreien. So verabschiedete der Kongress die höchste Steuersenkung in der Geschichte der USA. Das war vor dem 11. September. Jetzt ist alles anders. Gemeinsam mit Alan Greenspan versucht Bush nun die US-Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren - mit dem, was Neoliberale vor kurzem noch als Gottseibeiuns beschrieen hätten: einem Konjunkturprogramm. Ein Schelm, wer keynesianisch dabei denkt.

für Etatisten

Konnten Bushs Maßnahmen in den USA als patriotische Kraftanstrengung gegen den Terror gelten, so rieben sich die Befürworter eines starken Staates in Deutschland verdutzt die Augen: Bei einer Runde mit dem Kanzler plädierten die Spitzen der deutschen Hochfinanz und Industrie für staatliche Subventionen zu Gunsten der heimischen Wirtschaft. Nachdem sie die ganzen 90er Jahre lang das Mantra von der Zurückdrängung des Staates hergebetet hatten. Inzwischen 42 Prozent deregulierter Arbeitsplätze in Deutschland waren ihnen vor kurzem noch zu wenig. Doch jetzt, wo es nicht mehr Gewinne, sondern Defizite zu verteilen gibt, da muss der Staat wieder herhalten. Entschuldigen für ihr Geschwätz von gestern werden sich unsere Spitzenmanager wahrscheinlich nicht. Ein wenig Schamröte stände ihnen aber gut zu Gesicht.

für Tugendhafte

Das Beispiel des "Richter Gnadenlos" in Hamburg zeigt: Die Vorzüge des liberalen Rechtsstaates sind schwer zu vermitteln. Vor allem in Zeiten, in denen sich in seinen Nischen und Falten internationale Terroristen niedergelassen haben. Konzepte vom "sanften Strafen" haben ebensowenig Konjunktur wie diejenigen, die der Wiedereingliederung in die Gesellschaft den Vorzug geben vor bloßem Wegsperren. Viele Tugendhafte haben sich schon immer gedacht: Warum sollte der Staat nicht mehr Befugnisse für Ermittlungen bekommen? Wer nichts zu verbergen hat, hat schließlich auch nichts zu befürchten.

für Sünder

Haben Otto Schilys Konzepte zur Inneren Sicherheit den Beifall der großen Volksparteien gefunden, so ist dies bei Hans Eichels Beitrag zur Terrorbekämpfung anders: Jetzt fürchten viele einen Eingriff ins Bankgeheimnis. Aber gilt hier nicht auch: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten? Doch plötzlich hat mancher Angst, dass in Eichels Raster nicht nur Terroristen, sondern auch die eine oder andere eigene Sünde hängen bleibt, die man für lässlich hielt. Bisher nicht gemeldete Bankkonten etwa, oder das eine oder andere Aktiendepot, dass man bei der letzten Steuererklärung vergaß zu erwähnen. Und so gilt auch für die kleinen Sünder: Es prüfe erst sein eigenes (Steuer-)Gewissen, wer mit vor Rechtschaffenheit geschwellter Brust herumläuft.

für Ulrich-Wickert-Fans

Wahre Fans des obersten Bildschirmschmunzlers sind weiblich, heißt es. Und selbst die treuesten unter ihnen wurden diese Woche auf eine harte Probe gestellt. Weil der Tagesthemen-Moderator nämlich weitaus weniger intelligent im "Max" schreibt, als er in der ARD aus der Kiste schaut. Da Wickert-Fans aber normalerweise keine CSU-Wähler sind, schweißen die Anwürfe aus Bayern die Gemeinde nur weiter zusammen: No paseran!

für Gabi-Bauer-Fans

Wer der ehemaligen Tagesthemen-Moderatorin die Treue hält, musste in den letzten Monaten eine Durststrecke durchmachen. Kaum etwas sickerte durch über ihr Familienleben mit den Zwillingen. Jetzt wittern die Fans aber Morgenluft: Könnte man Gabi Bauer nicht für die Tagesthemen reaktivieren, wenn Wickert fliegt? Und das Problem mit den Zwillingen wäre auch gelöst: Auf die muss dann eben Ulrich Wickert aufpassen.

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