Meinung : Was hat die Woche gebracht ...

Clemens Wergin

...für Kalte Krieger

Noch im Wahlkampf sprach Präsident Bush von den Chinesen als "strategischen Konkurrenten" - und jetzt liegt er sich mit Jiang Zemin in den Armen, und beide reden vom gemeinsamen Kampf gegen den Terror. Schlechte Zeiten für Dick Cheney, einem der härtesten Kalten Krieger in Bushs Kabinett. Denn nun ist Tauwetter angesagt - sowohl mit Russland als auch mit China. Ob die Terroristen damit gerechnet haben, dass sie mit ihren Anschlägen die Weltverbrüderung voranbringen?

...für Dialogverliebte

Claudia Roth hat ihrem bedrängten Herzen Luft gemacht, als sie - frisch aus Pakistan zurück - eine Feuerpause in Afghanistan forderte. Um zu reden, zu verhandeln. Sofort wurde ihr mangelnde Solidarität mit Amerika vorgeworfen. Doch das Problem ist ein anderes: Mit wem reden, und worüber? Dialog ist so ein Wärmstuben- und Warme-Herzen-Wort. Doch ein Dialog mit Fanatikern ist nicht möglich - am Ende reden wir nur mit uns selber. Was wir uns kaum noch vorstellen können: Die andere Seite begreift Feindschaft als existenzielle, quasi außergeschichtliche Gegnerschaft. Und die ist nicht verhandelbar.

...für Menschenvermesser

Biometrie ist das neue Zauberwort der Sicherheitsexperten. Wir sollen vermessen werden, damit die Terroristen in Deutschland weniger Schlupflöcher finden. Vom Fingerabdruck zur Handsymmetrie, den Kopf- und Gesichtsmaßen bis zur Iris - alles könnte auf einer Chipkarte gespeichert werden, die dann als Personalausweis dient. In Amerika fragen Journalisten und Politiker schon in Hollywood nach, was man an Terrorschlägen noch zu erwarten hat - die haben dort schließlich die blühendste Fantasie. Otto Schily scheint sich Hollywoods Science-Fiction-Filme (und die Visacard-Werbung) aber schon ganz genau angeschaut zu haben.

...für Landvermesser

Dass nicht die Biometriker, sondern vielleicht die Geologen den Weg zu bin Laden weisen könnten, das behauptet John Ford Shroder. Der Geologe will die Steine wiedererkannt haben, auf denen bin Laden saß, als er dem arabischen Sender Al Dschasira ein Interview gab. 200 Kilometer südöstlich von Kabul soll das gewesen sein. Zwar war Shroder in den 70ern zu Forschungen in Afghanistan. Aber Steine altern ja nicht - zumindest nicht so schnell. Geologen an die Terror-Front!

...für Heulsusen

In der Öffentlichkeit zu heulen war bis vor einigen Jahren nur Frauen erlaubt. Für Männer galt: Indianerherz kennt keinen Schmerz. Doch seit Oberkassenwart Hans Eichel vor dem Bundestag mit Tränen in den Augen von seinen wiedergefundenen Verwandten im Osten erzählte und es bei Otto Schily verdächtig im Augenwinkel blitzte, als er vom Kampf seines Schwiegervaters gegen die Nazis berichtete: Seitdem dürfen sich auch hartgesottene Männer öffentlich Emotionen leisten. Sie machen verletzlich, aber auch sympathisch. Gerade war Mann also dabei, in Sachen emotionaler Kompetenz gleichzuziehen, und dann dies: Verona Feldbusch brach vor laufenden Kameras in Tränen aus, von ihrer Beziehung mit Dieter Bohlen erzählend - und das kurz bevor ihre eigene Show starten sollte und nachdem sie vorher immer mit ausgesucht spitzer Gehässigkeit über den Verflossenen berichtet hatte. Kühl kalkulierte Tränen? Haben Männer, was die emotionale Kompetenz angeht, doch noch Nachholbedarf?

...für harte Männer

Gegen Tränen kann Mann sich nicht verteidigen: Er habe Verona nur einen Schubs gegeben, erwiderte Bohlen zunächst auf die Anschuldigungen seiner Ex. Dann, ebenfalls in der Kerner-Show, gab er zu, "so eine Ausholbewegung" mit der Hand gemacht zu haben. Ob ihn sein spätes "es tut mir Leid" wirklich rettet? Eins ist klar, trotz Krieg: Harte Männer sind out. Und: Von den Feldbusch-Bohlenschen Beziehungsdetails wollen wir nichts mehr hören. Ab morgen.

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