Meinung : Was hat die Woche gebracht ...

David Ensikat

für deutsche Millionäre

Sie sind arm dran - und werden aller Voraussicht nach den volkswirtschaftlichen Aufschwung wieder herbeischuften. Denn wie fühlt sich das wohl an, gerade hat man die erste D-Mark-Million zusammen, dann, nach Silvester, der Blick auf den Kontoauszug: 511 291 lumpige Euros und 88 höhnische Cent. Gerade noch Jetset, jetzt Jedermann. Man freut sich wieder über Aldi-Angebote, bucht wieder Economy. Dann aber ruft die Pflicht, man muss nochmal ran und alles tun, um wieder Millionär zu werden: also mindestens 488 708,12 Euro reinzuholen. Persönlich ist der Euro für deutsche Millionäre eine Katastrophe - volkswirtschaftlich ist ihre Erniedrigung eine Chance.

für portugiesische Bauern

Sie seien wieder wer, kann man eigentlich nicht sagen. Ehrlich: Man hat sich bislang recht wenig für sie interessiert. Plötzlich aber gibt es Bilder portugiesischer Bauern in deutschen bunten Blättern. Nicht zur Illustration schwärmerischer Reiseberichte; es geht um den Euro. Der gilt für total Reiche im Zentrum des Kontinents (gerne mit Bild von den Champs-Elysées) wie für ganz Arme am Rande (den P-Bauern mit vorsintflutlichem Eselskarren). Wir sehen - und erschaudern: Mensch, jetzt bezahlt der sein Saatgut mit dem gleichen Geld wie wir unseren Mojito. Ziehen wir ihn rauf auf unser Niveau, oder zieht der uns runter? Wir zucken die Achseln und müssen immerhin gestehen: Die portugiesischen Bauern sind jetzt wer.

für CSU-Partikularisten

Wann ist eine Affäre eine Affäre? Müssen der Bundestag und seine Gremien das so beschließen? Die haben der CSU ja schon mal bescheinigt, dass sie sich Bayernkurier-Abonnements mit Steuergeld bezahlen lassen darf. So gesehen gibt es keine Affäre. Jetzt wollen sie sich das nochmal überlegen. Egal, was dabei herauskommt: die CSU und mit ihr der Edmund Stoiber sind im Gerede. Stramme Bayern, die ihren strammen Landesvater lieber im Lande als im Bunde sehen, wird das freuen. Die Chancen, dass sich Stoiber in den Kanzlerkampf verabschiedet, sind mit der Spenden-Geschichte von sagen wir 89 auf schlappe 78 Prozent gesunken.

für PDS-Partikularisten

Der vergangene Monat war eine Zumutung: Da soll die Ostpartei eine Stadt mitregieren, die zu zwei Dritteln Westen ist, und muss sich von der SPD sagen lassen, was geht und was nicht. Und jetzt noch die Präambel. Klar, die ist den SPD-Genossen wichtig: Sie brauchen was zum Winken in den Talkshows, wenn man ihnen den Vorwurf macht, geschichtsvergessen die Kommunisten ins Boot geholt zu haben. Wie aber sollen das Genossen sehen, die nach Stalins "Sozialismus in einem Land"-Strategie lieber ein tief rotes Marzahn hätten als ein rosarotes Ganz-Berlin?

für Weltbenenner

Seit drei Jahren wird ihnen in der Silvesterwoche eine unglaubliche Flexibilität abverlangt. Schuld sind die Frauen. Die hatten es 1999 satt, mit ihren Namen fürs schlechte Wetter herzuhalten. Seitdem wird jährlich gewechselt: Mal tragen Tiefs Frauennamen, mal Männernamen, Hochs vice versa. Das Hoch, das zum Jahreswechsel über Norddeutschland den Himmel blau machte, hieß bis Silvester Beate, danach Alf. Man mag die Welt mit dem Barometer ja präzise erkennen, hier hoch, da tief, - ihre Benennung jedoch folgt anderen, viel menschlicheren Maßstäben.

für Weltveränderer

Da haben sie sich ein kerngesundes Schaf ausgesucht, haben ihm eine prächtige Zelle herausgerupft - und daraus die Dolly gebastelt. Menschenskinder, was waren wir stolz: Der Schöpfer mit seinen Milliarden Jahren Evolution sollte sich was schämen. Doch was mussten wir jetzt erfahren? Dolly hat Arthritis in der Hüfte. Schafen von fünfeinhalb Jahren geschieht so was eigentlich nicht. Die Weltveränderer müssen noch mal ran. Unser Vertrauen in uns ist erschüttert.

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