Meinung : Was hat die Woche gebracht ...

David Ensikat

für Tierfreunde

Golan ist 25 und schon ein bisschen nervenschwach. Wenn Rot-Rot ernst macht in Berlin, wird er bald sterben müssen. Denn Golan ist ein Pferd und wird von der Berliner Polizei durchgefüttert. In der Koalitionsvereinbarung heißt es: "Die Reiterstaffel wird aufgelöst." Junge Pferde mit starken Nerven haben noch Chancen auf dem Viehmarkt, Gäule wie Golan nicht. Tierfreunde sind erschüttert. Hinzu kommt die Sache mit den sibirischen Kormoranen. Die erfroren in dieser kalten Woche zuhauf - und haben es in der russischen Krise ohnehin schon schwer. Weil sie Kadaver aus der Pelzindustrie fressen. Die wiederum geht zugrunde - und die Tierfreunde stecken im Dilemma: Sind sie nun für die Frettchen oder die Kormorane?

für Fleischer

Endlich redet man mal über sie, und es geht nicht um Tierkrankheiten. Sondern um die freie Ausübung der Religion. Rüstim Altinküpe ist Fleischer und hat beim Bundesverfassungsgericht angefragt, ob man es ihm nicht erlauben müsse, Hammel ausbluten zu lassen. Doch, man muss, sprachen die Richter, denn Rüstim Altinküpe ist ein Fleischer moslemischen Glaubens. Wenn ein solcher es ernst meint mit seiner Religion, und wenn er das ausgeblutete Fleisch an Moslems verkauft, die es ebenso ernst meinen, dann soll er - in Gottes Namen? oder in Allahs? oder in dem des Volkes? - die Genehmigung zum Schächten bekommen. Fleischer hängen ab jetzt neben die Herkunftsurkunde des Fleisches noch die beglaubigte Bescheinigung ihres Glaubens über die Theke.

für Frauen

Wenn Angela Merkel ein Mann wäre, dann hätten sich die Leute vielleicht mit unpolitischen Ratschlägen zurückgehalten (Haare fluffiger! Mundwinkel höher!). Edmund Stoibers Haare sind nicht voller, seine Mundwinkel künden nicht unbedingt von Einfühlungsvermögen. Und sieht er sympathisch aus? Muss er gar nicht. Nur ranklotzen muss er jetzt. Merkel, die Frau, kann sich den Gockelkampf nun angucken; wenn Stoiber ihn gewinnt, kann sie sagen: Ich hab ihn gelassen, wenn er verliert: Hätte er mich mal gelassen. Eigentlich eine ganz komfortable Situation.

für Männer

Hat in Deutschen Landen je eine Königin regiert? Nein, hier kamen stets nur Männer ans monarchische Ruder (wir sind bescheiden, bleiben kleindeutsch und lassen Österreich außen vor). Nun hat der allerletzte deutsche König, der Kurt, gesagt, er wolle nicht mehr König sein. Er hat das sehr männlich getan: Leute, ich gehe, aber gut wird nach mir nichts mehr. Männer, nach einem solchen Abdank wird aus euren Reihen keiner mehr König. Die Sache mit der Monarchie habt ihr vermasselt.

für Materialisten

Konnte das nur Liebe sein? Sahra Wagenknecht, die Luxemburg-Simulantin, und Ralph Thomas Niemeyer, der Anlagebetrüger, waren ein Paar, und man fragte sich: Ist es allein der überkonfessionelle Trieb, der die beiden bindet? Nein, es war der Materialismus. Bei ihr der historische, bei ihm der pekuniäre. Die Woche hats gezeigt: Geschichtsversachlicher von Wagenknechts Schlage regieren die Hauptstadt, der Mammonanbeter geht in den Knast. Kommunismus oder Kapitalismus: Materialisten, entscheidet euch jetzt.

für Metaphysiker

Die leben vor allem im Westen. Das haben die Allensbacher Gewissensforscher jetzt herausbekommen: Jeder zehnte erwachsene Westdeutsche glaubt an Seelen, die unerlöst herumspuken. Unter den Ostlern glauben nur drei Prozent an Gespenster. Zwölf Jahre nach dem Untergang des Kommunismus müssen sich die Metaphysiker fragen lassen: Wie kann das sein? Da klafft im Osten eine riesige Identitätslücke, und ihr vermögt es nicht, die mit Geistkram zu füllen?

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