Meinung : Was hat die Woche gebracht ...

Clemens Wergin

für Bush-Fans

Wochenlang wurde über die Behandlung der amerikanischen Gefangenen debattiert. Jetzt fällte Präsident Bush das, was manche als "salomonische Entscheidung" bezeichnen: Die Taliban- und Al-Qaida-Leute bekommen nicht den Status von Kriegsgefangenen, sollen aber so behandelt werden. Der Grund für Bushs Zögern: Kriegsgefangene dürfen nicht verhört werden. Aber die Amerikaner wollen von den Inhaftierten etwas über das Versteck Osama bin Ladens erfahren. Salomon selber war wenig zimperlich: Als jene zwei Frauen zu ihm kamen, die sich beide als Mutter desselben Neugeborenen bezeichneten, erhob der König das Schwert und drohte, den Säugling in zwei zu teilen. Amnesty International würde das heute als Psycho-Folter bezeichnen - und das ist nach den Genfer Konventionen verboten.

für Salomoniker

Der Vergleich mit Salomon ist ohnehin gemein. Denn der war nicht nur König des antiken Israel, sondern auch Pop-Star: 1005 Lieder soll er laut Bibel komponiert haben, während Bush nur für seine als "Bushism" verspotteten Versprecher in die Literaturgeschichte eingehen wird. Eins sollte dem Amerikaner aber zu denken geben: Um sein Heer und die prächtigen Bauten zu finanzieren, erhöhte Salomon die Staatsausgaben - und konnte am Ende seine Schulden beim Libanesen Hiram nicht abzahlen, weswegen er ihm das "Land Kabul" (1. Könige 9, 11-13) abtreten musste. Die Libanesen hatte Salomon wegen ihres Know-hows auf dem Bausektor engagiert - um den Tempel in Jerusalem zu errichten. War Hiram am Ende ein Vorfahre der Familie bin Laden?

für Innenrevisoren

Briefe an den Kanzler hat er geschrieben, seine Behördenleitung über die falschen Statistiken informiert - nur keiner wollte auf Erwin Bixler vom Arbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland hören. Bixler wird es jetzt schwer haben unter seinen Kollegen. Doch die Frage ist nicht so sehr, warum der eine von den Missständen berichtete, sondern warum die anderen 90 000 Mitarbeiter des Arbeitsamtes geschwiegen haben.

für Außenrevisoren

Auch von außen wurde den Deutschen auf die Finger geschaut: Die ganze Woche schwelte der Streit über den blauen Brief der EU an Finanzminister Eichel. Der Kanzler plusterte sich mächtig auf und wetterte wie in guten alten Zeiten gegen Brüssel. "Revision" kommt aus dem Lateinischen. Revidere heißt "noch einmal sehen". Anders gesagt: Man begegnet sich immer zweimal im Leben. Erst haben die Deutschen auf den harten Maastricht-Kriterien bestanden - und jetzt sind sie die ersten, die deswegen verwarnt werden sollen.

für alte Linke

Noch eine Revision stand diese Woche an: Günter Grass leistet mit seinem Roman "Im Krebsgang" Abbitte dafür, dass er die Leiden der vertriebenen Deutschen bisher verschwiegen hat. Nun erzählt er die Geschichte des von den Alliierten versenkten Flüchtlingsschiffes "Wilhelm Gustloff". Und entschuldigt sich damit für eine ganz linke Art der Geschichtsvergessenheit.

für Ewiggestrige

Hurra schreien nun die, die immer schon viel über das Leid der Vertriebenen und weniger über das von Deutschen in Osteuropa angerichtete Leid geredet haben. Revisionisten, das sind die, die seit Kriegsende vom Splitter im Auge der anderen reden, aber nichts vom Balken im eigenen Auge wissen wollen. Doch auch die Vertriebenenverbände müssen sich einer Gewissensrevision unterziehen: Warum es wohl jenen, die wie Günter Grass vertrieben wurden, aber keine Revanchisten sind, nie eingefallen ist, einem jener oft deutschtümelnden Folklorevereine beizutreten. Und das, obwohl es wenige deutsche Literaten gibt, die die Kultur des deutschen Ostens so eindringlich beschrieben haben wie der Nobelpreisträger. Hier tut zweierlei Abbitte Not.

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