Meinung : Was hat die Woche gebracht ...

Clemens Wergin

...für Preußen

Alwin Ziel will keinen hässlichen Doppelnamen für ein fusioniertes Berlin und Brandenburg. Preußen sollte das neue Land heißen, meint Brandenburgs Sozialminister. Die konservative FAZ hat sich daraufhin munter der Zukunft in der Vergangenheitsform zugewandt und spielt das Thema in allerlei Variationen. Der Alliierte Kontrollrat hatte Preußen 1947 aufgelöst, weil es schon immer "Träger von Militarismus und Reaktion in Deutschland" gewesen sei. Jetzt bekommt Ziel aus dem in dieser Frage unverdächtigen Süden der Republik Rückendeckung. Hans Magnus Enzensberger schlägt "Kleinpreußen" vor - was den Vorteil hätte, dass die Nachbarn keine Angst mehr haben müssten. Und Martin Walser gibt inniglich zu Protokoll: "Preußen, das ist ein schönes Wort." Da bald ein Bayer im Herzen Preußens die Zügel übernehmen soll, verliert das ehemals gespornte Reich an Abschreckung.

...für Berliner

Schon Franz Josef Strauß hat ja prophetisch über Stoibers Ambitionen gesagt, "im Zweifel müssen wir Bayern die letzten Preußen sein". Und wahr ist: Allzu selten wird in Berlin an solch preußisch-protestantische Tugenden wie die individuelle Verantwortung erinnert. Dies tat eine Gruppe von aufgebrachten Bürgern, die vom ehemaligen Regierenden Diepgen per Anzeigen verlangte, die politische Verantwortung für den Bankenskandal und die Wahlschlappe zu übernehmen und die Berliner CDU nicht als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl zu führen. Diepgen wollte davon nichts hören - und wurde auf dem Parteitag abgemeiert. Etwas mehr Preußentum hätte ihn davor wohl bewahrt.

...für westliche Geostrategen

Noch will Europa nicht recht glauben, dass die Amerikaner Saddam Hussein mit allen Mitteln an den Kragen wollen, da kündigt sich schon Größeres an: Geredet wird von einer kompletten Neuordnung des Nahen Ostens. Ob das bisher nur Schachbrettspiele sind, weiß man nicht genau. Wer die großen Würfe liebt und gerne Figuren auf der geostrategischen Landkarte verschiebt, hat jedenfalls aufregende Zeiten vor sich.

...für arabische Könige

Die letzte Neuordnung des Nahen Ostens unternahmen Briten und Franzosen am Ende des Ersten Weltkriegs, als das Osmanische Reich zerfiel. Die Briten setzten auf die Haschemiten, Nachfolger Mohammeds, die die Saudis aus Mekka vertrieben hatten. In Syrien machte sich Faisal I. zum König, wurde aber von den Franzosen verjagt. Zum Trost erhielt er von den Briten den Irak - sein Enkel Faisal II. wurde 1958 von putschenden Militärs getötet. So blieb den Haschemiten nur der Beduinen-Thron in Amman. Doch nun heißt es, die Amerikaner setzen selbst hinter das Haus Saud in Saudi-Arabien ein Fragezeichen. Könnten die Haschemiten am Ende in ihre Heimatstadt Mekka zurückkehren, gar als neue Könige? Sandkastenspiele - in der Wüste.

...für Pferde

Wenig scheint die Berliner so aufgeregt zu haben wie der drohende Verlust der Polizeipferde. Jetzt will Schily sie übernehmen - für Staatsbesuche. Ein der Weltlage angemessener Zug: Zwar kann Schröder bei einem Besuch des amerikanischen Präsidenten nicht mit einer märkischen Ranch aufwarten. Aber jetzt hätten die beiden wenigstens den nötigen Untersatz, um mal unter Männern im Tiergarten auszureiten.

...für Kinder

Alle Jahre wieder besingen die Christen das Jesuskind. Und alle vier Jahre die Politiker die Kinder in Deutschland - immer wenn wir wählen sollen. Stoiber lässt sich mit seinen Enkeln ablichten, bietet bayerischen Familien aber die schlechtesten Betreuungsangebote der Republik. Und Schröders Halbschwester klagt, weil sie ihr Einkommen als alleinerziehende Mutter wie ein Single versteuern muss. Vielleicht die nächsten Jahre weniger Kinderlieder singen und dafür mehr Kindergesetze verabschieden!

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