Meinung : Was macht die Welt?: Deutsche Bushaltestellen, gelbe Pullunder und eine Friedenswette

Die Briten wollen die Afghanistan-Truppe nur drei

Die Briten wollen die Afghanistan-Truppe nur drei Monate führen. Sollen danach die Deutschen das Kommando übernehmen - oder sich türkischem Oberbefehl unterstellen?

Wenn sie gebeten werden (und sich nicht vordrängeln), dann ja, natürlich. Deutsche in Afghanistan, das hat eine große Tradition. Noch heute sieht man vertraute Bushaltestellen in Afghanistan, die sehr deutsch aussehen; kein Wunder. Die Deutschen haben nach dem Ersten Weltkrieg ein Busnetz im Land aufgezogen, dazu die Eingeborenen im Polizeidienst und Gefängnisbau unterwiesen, wiewohl, anders als im chinesischen, nicht-moslemischen Tsingtao, nicht im Bierbrauen. Das sind große zivilisatorische Leistungen, an die es anzuknüpfen gilt. Außerdem ist Afghanistan eines der wenigen Länder in Eurasien, die 1940-45 keine deutsche Besatzung erlebt haben. Die Zeichen sind günstig. Also Helm auf zur Verantwortungsübernahme.

Zu Rudolf Scharpings Andeutung, Amerika könnte den Krieg auf Somalia ausdehnen, sagt sein US-Kollege Rumsfeld: Der Deutsche redet Unsinn. Kann Scharping noch den Mund aufmachen, ohne sich Ärger einzuhandeln?

Um der Genauigkeit zu dienen: Rumsfeld sagte: "Irgend ein Deutscher redet Unsinn." Das muss also nicht unbedingt Scharping gewesen sein. Doch klebt der Verdacht wie crazy glue an dem Mann, weil er dem Gericht als notorischer Wiederholungstäter bekannt ist. Scharping redet gern, wiewohl auch stets sehr langsam über Dinge, die zwar Diskretion heischen, aber angeblich seinen IQ (hier: Interessanz-Quotient, nicht mit dem herkömmlichen IQ zu verwechseln) heben helfen. Zu dumm, dass er dabei immer erwischt wird. Er sollte von Altmeister Genscher lernen. Der hat immer sehr strategisch geplaudert, aber immer so, dass die Spur nicht zu jener "gut informierten Quelle", die stets einen gelben Pullunder trug, zurückverfolgt werden konnte.

Die Atommächte Indien und Pakistan drohen einander. Wer kann einen neuen Krieg um Kaschmir noch verhindern?

Nur die Inder und Pakistaner selbst, wobei eine gewisse Asymmetrie besteht. Die Pakistani wissen, dass sie jeden konventionellen Krieg gegen die Inder verlieren würden - wie 1971, als ihnen die Inder West-Pakistan abnahmen, das heute Bangladesh heißt. Das gebietet ebensoviel Realismus wie Vorsicht. Die Inder kennen ihre Stärke auch, können also im Nervenkrieg ein Quantum Gelassenheit zeigen. Ansonsten sind die guten Dienste der Amerikaner gefragt, die in beiden Ländern, weil mit ihnen quasi verbündet, hohen Einfluss haben. "Was macht die Welt?" wettet, dass es keinen Krieg geben wird, auch wenn die Inder inzwischen ihren Botschafter aus Islamabad abgezogen haben.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Unser Kanzler hat wieder einmal Nerven bewahrt und instinktiv die richtige Einschätzung gehabt. Will sagen: Das Kabinett hat der Entsendung von 1200 Bundeswehr-Soldaten für den Friedenseinsatz in Afghanistan zugestimmt, das Parlament ist gehorsam gefolgt. Schritt um Schritt, Quälerei um Quälerei entwickeln sich die Deutschen zu einer halbwegs normalen Mittelmacht. Und das ist gut so, um (leider) noch einmal den rot-roten Oberbürgermeister von Berlin zu zitieren.

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