Meinung : Was macht die Welt?: Europa - nicht Österreich isolieren, sondern die Rinderseuche

BSE-Seuche in Großbritannien[Sp],Frankreich[Sp]

BSE-Seuche in Großbritannien, Frankreich, Spanien - und nun auch in Deutschland. Wird der EU-Reformgipfel von Nizza zum BSE-Gipfel?

Das Rind war schon immer Europas Schicksal. Bekanntlich beginnt die Geschichte Europas mit deren Entführung durch Zeuss in Gestalt eines Stieres. Nun wird die Kuh (mit eingeknickten Vorderbeinen und Schaum vorm Mund) zum Wappentier der EU. Denn die hat es nicht mal geschafft, jenes Tiermehl zu verbieten, das seit Anfang der 90er als Hauptverdächtiger bei immer neuen Ausbrüchen von BSE im Spiel ist. Kühe Europas, trottet nach Nizza, damit die Regierungschefs euch vor dem tödlichen Fraß retten, der euch auch noch zum Kannibalismus zwingt.

Wahlen, heißt es, werden übers Portemonnaie entschieden. Daher galt die Wiederwahl Premier Chretiens an diesem Montag in Kanada als Formsache. Plötzlich wendet sich das Blatt, er soll einen Freund begünstigt haben. Wird Ethik wahlentscheidend?

Im Prinzip ja, aber es hängt von den Summen ab. Helmut Kohls zwei Millionen Bimbes sind offenbar nicht genug, den Ex-Kanzler zu diskreditieren. In Amerika, mit der teuersten Wahl aller Zeiten, heißt Bimbes "soft money" und ist legal; es kann also keiner Partei etwas passieren. Sex ist da schon gefährlicher. Dagegen reichen in England ein paar tausend Pfund, um einen Politiker zumindest zeitweise zu stürzen (siehe Blairs Darling Peter Mandelson). In Frankreich wiederum gilt Regierungskorruption als Schmiermittel im Räderwerk menschlicher Verstrickungen, ist also okay. Aber die Wahlvölker werden empfindlicher; siehe den Aufruhr gegen Minister Klimmt.Andererseits: Schröder hat sich Volkes Wille auch so schnell gebeugt, weil er den letzten Lafontainisten im Kabinett loswerden konnte.

Am vergangenen Mittwoch haben sich die Kanzler Schröder und Schüssel in Berlin getroffen - ein später Triumph für Österreich?

Ein später Triumph der Staatskunst! Die Causa Austria wird als wenig rühmliches Kapitel in die EU-Geschichte eingehen. Da wurden Sanktionen gegen ein Land verhängt, bevor es sich irgendetwas zu schulden hatte kommen lassen. Vorauseilende Bestrafung aber ist nicht Teil des liberalen Rechtsstaates, den die EU gegenüber Österreich hochhalten wollte. Wenn nun der Kanzler-D den Kanzler-A in Berlin trifft, ist das kein Triumph für Wien, sondern ein Versuch der Torheits-Begrenzung.

Ein Wort zum deutschen Außenminister...

Er wird zutiefst gekränkt sein. Warum? Weil Rudolf Scharping jede Woche in "Bild" und "Bunte" gefeiert wird. Der Verteidigungsminister am Küchentisch, beim Spazierengehen, beim Sich-tief-in-die-Augen-gucken, und dies mit jenem Blick, den nur verknallte Teenies zustande bringen können. Fischer ist zurecht verschnupft, ist doch Scharping nun, nach dem Abgang von Kulturminister Naumann, Medienstar Nummer eins im Kabinett.

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