Meinung : Was macht die Welt?: Feinde nach Kuba, Ferien in Kuwait, Fremde als Kandidaten

cvm

Im unerklärten Krieg in Afghanistan hat Amerika Gefangene gemacht, die keine Kriegsgefangenen sind. Was sollen die USA mit ihnen tun?

Die meisten von ihnen werden nach Guantanamo verbracht, dem amerikanischen Stützpunkt auf Kuba. Sicherlich hat das mit einer gewissen Angst zu tun: Wenn diese Qaida-Soldaten einen Aufstand organisieren und/oder fliehen, sind sie wenigstens nicht auf amerikanischem Boden. Andererseits: Wer weiß, was sich die militärische Fantasie so ausdenkt? Vielleicht sollen sie gar fliehen und ihren religiösen Wahn an Castro austoben, dem Chef eines der letzten kommunistischen, das heißt, atheistischen Regime auf der Welt, mit dem die Amerikaner ein 40 Jahre altes Hühnchen zu rupfen haben. Vor solchen Plänen ist freilich heftig zu warnen: Im Vergleich zu den Taliban ist Castro ein Ausbund an Liberalität.

In Italien hat Premier Berlusconi das Außenamt mit übernommen. Braucht man heute überhaupt noch Außenminister oder können die EU-Kommissare und Regierungschefs deren Arbeit gleich miterledigen?

Dass ein Regierungschef das Außenamt mit übernimmt, ist nichts Neues. Adenauer war bis 1955 sein eigener Außenminister. Im Übrigen ist dem Usurpator Berlusconi eine gewisse Logik nicht abzusprechen. Überall in der demokratischen Welt konzentriert sich immer mehr Macht in der Hand des Regierungschefs; ihre Apparate im Kanzleramt oder Weißen Haus sind Mini-Versionen der Ministerien. Tatsächlich wird die "große Politik" schon längst nicht mehr von den Außenministern gemacht (aber das war auch schon zu Bismarcks Zeiten so). Nur in Deutschland hat der AA-Chef etwas mehr Macht, weil er seit bald vier Jahrzehnten vom kleinen Koalitionspartner (und Mehrheitsbeschaffer) gestellt wird.

ABC-Abwehrkräfte der Bundeswehr sollen in das Öl-Emirat Kuwait verlegt werden. Ein Hinweis, dass die USA bald im Nachbarland Irak zuschlagen?

Paul Wolfowitz, Saddam-Fresser und Vize-Verteidigungsminister der USA, hat just verkündet, dass der Irak nicht die nächste Zielscheibe sei. Erst seien jene Staaten dran, wo sich die Qaida-Terroristen eingenistet haben. Daraus könnte man zweierlei schließen. Entweder: Die Deutschen dürfen immer dort hin, wo die Gefahr eher abstrakt oder indirekt ist. Oder: Die Deutschen dürfen sich auf lange Ferien in Kuwait, dem Nachbarstaat des Irak, einrichten: bis sich in ein, zwei Jahren die Aufmerksamkeit der Amerikaner wieder dem Erzfeind Saddam zuwendet.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

"Was macht die Welt?" befindet sich gerade in New York und sieht sich deshalb außer Stande, irgendetwas von Belang über die deutsche Außenpolitik zu sagen. Denn die findet in der US-Presse nicht statt. Die einzige Deutschland betreffende Geschichte in der "New York Times" zeigt eine traurige Angela Merkel und einen grimmigen Stoiber-Edi unter der Überschrift: "German Right Backs Bavarian to Run Against Schroeder". Dieser namenlose Titel besagt: "Merkel" und "Stoiber" muss man sich in Amerika noch einprägen. Mullah Omar ist hier bekannter.

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