Meinung : Was macht die Welt?: Höflichkeitsbesuche, stille Diplomatie und lauter Karneval

Gerhard Schröder holt die im Herbst ausgefall

Gerhard Schröder holt die im Herbst ausgefallene Südamerika-Tour nach. Was kann ein Kanzler anbieten, der für Kredite und Exporthilfen kein Geld hat?

Gute Worte, eine sonore Stimme und freigiebige Ratschläge, wie man sich der fiskalischen Disziplin entzieht (siehe unten), welche lateinamerikanische Regierungen besonders schätzen. Grundsätzlich aber möge man Auslandsreisen von Großpolitikern nicht mit irgend einer Form von Großpolitik verwechseln. Solche Reisen haben heute eine ganz andere Funktion. Da ist einmal der Höflichkeitsbesuch: Präsident Gonzales aus San Augusta war in Berlin, also muss man ihm in seiner Hauptstadt Manzanilla die Ehre erweisen. Zweitens die "Photo-op"-Reise: Der Regierungschef lässt sich mit einem noch mächtigeren Regierungschef ablichten und zieht so dessen Ruhm und Status auf sich. Schließlich und immer häufiger die Fluchtreise: Alles, auch die heruntergekommene Hauptstadt Manzanilla ist besser als daheim gegen den Presse- und Oppositionsmob antreten zu müssen.

Joschka Fischer fährt nach Nahost - diesmal ohne Presse, wie "Was macht die Welt?" geraten hat. Heißt es nicht: Tue Gutes und rede darüber?

Dass unser Außenminister den Rat von "Was macht die Welt?" annimmt, zeugt von Weisheit, Intelligenz und gutem Geschmack. "Tue Gutes und rede darüber" funktioniert im Nahen Osten nicht, zumal nicht bei einem Jassir Arafat, der fast immer Politik mit Theatralik verwechselt. Wer in aller Öffentlichkeit mit Scharon, Arafat oder ihren Rivalen redet, riskiert es nur, die abgedroschenen Formeln zu hören - frisch von der Festplatte. Wer aber ganz diskret Botschaften von hier nach dort trägt, sie mit eigenen Ideen anreichert und dabei diplomatischen Druck ausübt, hat womöglich eine bessere Chance. "Schweige und tue so Gutes" ist die bessere Devise.

Die Deutschen kriegen einen Blauen Brief, die Franzosen setzen die vorzeitige Ablösung der EZB-Spitze durch. Ist die Stabilität des Euro bedroht?

Unser Bundeskanzler tut alles, und dies mit nicht sehr feinen Methoden, um den Blauen Brief zu verhindern. Dies ist ein wüster Vorgang, haben doch gerade die Deutschen allen anderen das Stabilitätskorsett aufgezwungen, dem sie jetzt die Fischbeinstäbe nehmen wollen. Wenn die größte EU-Wirtschaft wieder zu völlern anfängt, werden die anderen fröhlich folgen (weshalb ja Paris und London das üble Ansinnen Schröders unterstützen). Wenn das so weiter geht, dürfen wir uns wieder auf den alten Angstgegner Inflation freuen, der scheinbar für ewig gebannt war. Dagegen könnte ein französischer EZB-Chef wenig ausrichten, es sei denn, er tut, was alle Zentralbanker tun, wenn die Regierung schludert. Er jagt die Zinsen hoch - und so die EU-Wirtschaft in eine noch schlimmere Rezession.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

In dieser Woche kann am Standort D nicht ernsthaft Außenpolitik betrieben werden, aus drei Gründen: Rosenmontag, Faschingsdienstag und Aschermittwoch. Zwar ist das ex-preussische Berlin nicht gerade eine Faschingshochburg, aber so weit reicht der rheinische Einfluss aus Bonn-Zeiten doch in die "Berliner Republik". Wir melden uns nächste Woche wieder.

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