Was macht die Welt? : Hoffen, bangen, online gehen

Bringen zwei Jahre mehr Zeit die Wende für Griechenland? Wer wird US-Präsdient? Warum sieht Guido Westerwelle in Syrien einen "Hoffnungsschimmer"? Zeit-Herausgeber Josef Joffe beantwortet jeden Montag vier Fragen zur Außenpolitik.

von
Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Zwei Jahre mehr Zeit für Griechenland. Bringt das die Wende?

Inschallah, wie man auf Altgriechisch sagt. Das Land kriegt bis 2016 Aufschub. Doch Bares von außen erkauft nur Zeit. Die wahren Probleme erfordern die Investition von viel politischem Kapital, das nur im Lande selber aufgebracht werden kann. Zum Beispiel die Schrumpfung der aufgeblähten Verwaltung: Da müssen starke Gewerkschaften angegangen werden. Die Privatisierung würde sogar Geld (50 Milliarden) bringen, aber auch hier stehen mächtige Interessen im Wege. Beim Steuersystem gibt’s den größten Fortschritt; Athen hat die internationalen Vorgaben für das Eintreiben von Steuern sogar übertroffen. Nur eines ist sicher: Die EU wird Athen nicht fallen lassen.

Noch acht Tage bis zur US-Wahl: Ihre vorletzte Chance für eine Prognose.

WmdW gibt die gleiche Antwort wie der berühmte US-Baseballspieler Yogi Berra (der amerikanische Uwe Seeler): „Ich mache nie Voraussagen, und schon gar nicht über die Zukunft.“ In den Umfragen ist das Wahlvolk unentschieden: 47 Prozent für Obama, 47 für Romney. Fortuna lächelt seit der ersten Debatte für Romney. Lächelt sie weiter, hält das Momentum an, gewinnt er. Andererseits: Bricht die Welle, siegt Obama. Denn der Präsident wird nicht direkt vom Volk, sondern von den 50 Staaten gewählt. Zehn sind noch so-oder-so. Doch in den meisten hat O. einen leichten Vorsprung. Behält er den, bleibt er im Weißen Haus.

Newsweek erscheint jetzt nur noch online. Lesen die Amerikaner weniger oder einfach nur elektronisch?

Nirgendwo in der Welt gibt es mehr Magazine als in den USA – über 20 000, mit leicht steigender Tendenz, wiewohl die Gesamtauflage seit Jahren um etwa ein Prozent sinkt. Das Problem ist „Newsweek“. Während „Time“ halbwegs stabil bleibt (3,5 Millionen), hat sich die Auflage von „Newsweek“ seit 2006 halbiert (auf 1,5 Millionen). Dann probierte sie es mit der Umstellung auf ein Meinungsmagazin, was den Abstieg beschleunigt hat. Wahrscheinlich gibt es im Online-Zeitalter in jedem Segment nur Platz für ein Print-Magazin, und das ist in den USA „Time“.

Ein Wort zum Außenminister ...

Guido W. sah in der Waffenruhe für Syrien einen „Hoffnungsschimmer“. Das war schon zu viel. Denn im Bürgerkrieg gibt es Waffenruhe allenfalls, damit sich die Parteien neu munitionieren und positionieren können. Kaum war die Waffenruhe am vergangenen Freitag ausgerufen, war sie vorbei. Gekämpft wird, bis die eine oder andere Partei gewinnt. Das Ende wird aber so schnell nicht kommen, weil der Krieg inzwischen internationalisiert ist. Die Türkei und Amerika liefern Waffen an die Rebellen, Iran und Russland an Assad. Der Verlierer ist das syrische Volk.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: Anna Sauerbrey

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