Meinung : Was macht die Welt?: Israelische Rätsel, europäische Korallen und deutscher Einsatzmut

Zum Friedensschluss braucht man einen Partner. Wen

Zum Friedensschluss braucht man einen Partner. Wenn Arafat für Scharon "nicht mehr existent" ist, mit wem kann er dann verhandeln?

Das ist eine interessante ontologische Frage ("Ontologie": Lehre vom Sein). Wenn Arafat "nicht mehr existent" ist, warum beschießen dann die Israelis seine Hubschrauber und seinen Machtapparat? Ein zweite Frage hat mit Logik zu tun: Warum schießen die Israelis nicht auf die Ausbildungslager und Bombenfabriken von Hamas und Dschihad, was nach den jüngsten Horrorattacken ihr gutes Recht wäre? Genauer: Warum greifen sie just die palästinensischen Polizeikräfte an, von denen sie erwarten, dass sie die Terrornester ausheben? Das sind alles logisch-ontologische Rätsel, die nur so aufgelöst werden können: Noch immer hoffen die Israelis in Wahrheit darauf, dass der "nicht-existente" Arafat erstens real ist und zweitens die Realitäten erkennt. Und die besagen: Bremse den Terror oder akzeptiere deine eigene Irrelevanz.

Die EU-Mitglieder haben einen Verfassungskonvent eingesetzt, wollen zum Teil aber gar keine europäische Verfassung. Ist der Weg das Ziel?

So war es immer in der Geschichte der europäischen Integration seit 1952, als die Montanunion, der Vorläufer der EU, gegründet wurde. "Europa" wird nie ein großer Wurf sein, sondern immer nur kreatives Stückwerk, wo in jedem Schritt schon der Keim des nächsten schlummert. Europa ist ein Patchwork, und wie ein solches wird die Näh- und Strickarbeit nie beendet sein. Oder: Europa ist wie ein Korallenriff, das scheinbar ziellos, aber immer weiter wächst. Wie es sich entwickelt, sieht man immer erst hinterher.

Die Entsendung der Bundeswehr nach Mazedonien im September war äußerst umstritten. Der Verlängerung stimmten jetzt mehr als 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten zu. Ein gutes Omen für das Afghanistan-Mandat?

Nicht wirklich. Bei Mazedonien haben die zuvörderst um ihren eigenen Frieden besorgten Deutschen erkannt, dass die Gefahr gen Null tendiert. Wo das Risiko klein, ist deutscher Einsatzmut groß. Einen Spaziergang aber darf man im wilden Afghanistan keinesfalls voraussetzen. Hier könnten die Bundeswehrler tatsächlich in Kämpfe verwickelt werden. Aber Schröder und Kollegen werden sicherlich einen Weg finden, die deutschen Truppen dort zu stationieren, wo die Luft am wenigsten bleihaltig ist.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik...

Schröder und Fischer haben im Verlauf des Afghanistan-Krieges gemerkt, wie brenzlig es für ihre Regierung im Inneren wird, wenn sie auf nationalstaatlichem Wege militärische Macht aufzubieten versuchen. Also schlägt das Pendel wieder zurück: Schröder will das Tempo beim Aufbau einer europäischen Einsatztruppe verdoppeln. Diese hübsche Idee hat nur einen Makel: Gerade die Deutschen mopsen sich am meisten, wenn den guten Worten das Geld für die Um- und Ausrüstung einer solchen Truppe folgen soll.

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