Meinung : Was macht die Welt?: Katz und Maus mit Bin Laden

Im Kalten Krieg verließen sich die Superm&au

Im Kalten Krieg verließen sich die Supermächte auf die Rationalität der anderen Seite - und den "Heißen Draht" zur Krisenentschärfung. Solch einen Draht haben Indien und Pakistan nicht. Könnten beide unbeabsichtigt in einen Atomkrieg schlittern?

"Könnten", "womöglich", "vielleicht" ist immer richtig. Nur: Warum sollten Pakistani und Inder ratio-mäßig zurückgebliebener sein als Russen und Amerikaner? Auch hier gilt: Sie mögen zwar verrückt sein, sind aber nicht blöd. Inder und Pakistani wissen genau so gut wie es die verfeindeten Supermächte wussten, dass ein Atomkrieg nur Verlierer und keine Gewinner kennt. Sie wissen auch: Je heftiger ein konventioneller Krieg, desto wahrscheinlicher die atomare Eskalation. Überdies sind sie nicht allein auf der weiten Welt. Der Rest derselben, voran die Amerikaner, übt Druck auf Neu Delhi und Islamabad aus, damit sie nicht mehr anstellen, als mit den Raketen zu rasseln.

Ariel Scharon hat den Moslem Jassir Arafat zum weihnachtlichen Märtyrer gemacht, indem er ihm den Besuch der Messe in Bethlehem verweigerte. Kann er mit solchen Maßnahmen auf Dauer Erfolg haben?

Der strenge Moslem Arafat als weihnachtlicher Märtyrer? Das frohe Fest interessiert nur seine christliche Frau Souha, die aber einen Großteil ihres Lebens in Paris verbringt. Wider Erwarten scheint Scharons Strategie der militärischen Vorstöße und der Haus-Arrestierung von Arafat Früchte zu tragen. Jedenfalls haben Terrorgruppen wie Hamas und Dschihad einen temporären Gewaltverzicht erklärt, derweil Arafats Sicherheitskräfte etwas dezidierter gegen die Friedensprozessfeinde vorgehen. Seinerseits zeigt Scharon neben den Panzern auch etwas Zuckerbrot: Er hat Außenminister Peres erlaubt, Gespräche mit den "pragmatischen Kräften" unter den Palästinensern aufzunehmen.

Alle Welt spekuliert über den Verbleib bin Ladens. Nur die Amerikaner scheinen das Interesse an ihm verloren zu haben. Wissen die mehr als wir?

Die Amerikaner haben so sehr das Interesse an bin Laden verloren, wie eine Katze (scheinbar) an ihrer lahmgeschlagenen Mäuse-Beute. Sie tut nur so - bis die sich tot stellende Maus wieder zu fliehen versucht. Die Amerikaner wissen, dass das internationale Qaida-System noch nicht zerschlagen ist. Sie nehmen womöglich auch an, dass bin Laden verwundet oder krank ist. Dennoch werden sie nicht nachlassen. Denn sie betrachten den tölpelhaften Versuch des Qaida-Mannes Richard Reid, eine Schuh-Bombe im Flugzeug zu zünden, als einen "Testlauf" für weitere Anschläge.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Von Heiligabend bis Epiphanias (6. Januar) verfällt auch Berlin in den Weihnachtsschlaf, innen- wie außenpolitisch.

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