Meinung : Was macht die Welt?: Liebe Kinder, Rivalen und Halbgroße, die sich klein machen

Fragen: cvm

Die USA möchten Saddam Hussein stürzen und seine Waffenfabriken zerstören, die Europäer verweigern ihm die Gefolgschaft und setzen auf eine härtere UN-Rüstungskontrolle, eventuell verbunden mit einem Ultimatum. Wer hat Recht?

Ach, Europa. Wenn man etwas will, was der andere verweigert - Offenlegung und Zerstörung von Massenvernichtungswaffen - muss man ein Ultimatum stellen. Will man dieses glaubhaft machen, müssen dahinter die Fähigkeit und der Wille zum Gewalteinsatz stehen. Da aber die Europäer weder das eine haben noch das andere wollen, haftet ihrem Ruf nach härterer UN-Rüstungskontrolle gepaart mit einem Ultimatum etwas Unehrliches an. Was sind ihre wahren Interessen? Eine Erklärung ist, dass sie irakische ABC-Waffen weniger fürchten als amerikanische Machteinsätze. Oder umgekehrt: Sie wollen, dass die Amis im Irak die militärische Dreckarbeit machen, derweil sie in der arabischen Welt Liebkind bleiben. Das wäre klassische Realpolitik; bloß möge man sie nicht als höhere Weisheit oder Moral verkaufen.

George W. Bush reist zu einer Offensive des Lächelns nach China. Ist Perking plötzlich kein "strategischer Rivale" mehr?

Natürlich bleibt China ein strategischer Rivale; wie sollte es auch anders sein angesichts einer aufstrebenden Großmacht, deren Ambitionen im Pazifik - siehe Taiwan - mit den Interessen der regierenden Supermacht kollidieren. Dennoch zeigt die Geschichte viele Beispiele, wo derlei Rivalen zeitweise miteinander paktieren. In diesem Fall liegt der Anlass auf der Hand. Weder China noch Amerika wollen sich das Geschäft der Großmächte von Privatiers der Gewalt wie bin Laden verderben lassen. Also lächeln sie miteinander, zumal es sich Peking keinesfalls leisten kann, den Zugang zum US-Güter- und Wissensmarkt zu verlieren. 50 000 Chinesen studieren in den USA, der Handelsbilanzüberschuss beträgt 50 Milliarden Dollar.

Tschechiens Premier Zeman verunglimpft die Sudetendeutschen als Hitlers fünfte Kolonne. Was sollte ihm der Ungarndeutsche Joschka Fischer beim Besuch in Prag am Mittwoch über die Vertriebenen erzählen?

Dass sie hier seit 50 Jahren integriert werden, in Bayern gar als "vierter Stamm" gelten. Also geht von ihnen heute keinerlei Revisionismus aus. Zweitens: Lieber Herr Premier, Ihre Sprache passt nicht mehr in das heutige Europa. Drittens: Zwar haben wir Deutschen den Krieg angezettelt, aber trotzdem dürfen Sie nicht eine ganze Volksgruppe mit Kollektivschuld belegen. Das Gleiche gilt für den Spruch des Koalitionskollegen Stiegler (SPD), der CDU und FDP im Nachhinein für Hitler verantwortlich gemacht hat, indem er ihre Vorläufer als dessen Steigbügelhalter bezeichnete. Es gilt das lateinische Sprichwort: Hätten Zeman und Stiegler doch besser den Mund gehalten.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Ach, Joschka. Wir sind doch keine "Satelliten", hat er den Bushies entgegengeschleudert. Onkel Sigmund würde sagen: Wer glaubt, verneinen zu müssen, was nicht der Fall ist, macht sich gerade so zu dem, was er nicht sein will. Oder: Mach dich nicht so klein, du bist nicht so groß.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben