Meinung : Was macht die Welt?: Putin auf dem Weg nach Westen und kein Zipfel weißer Laken

Im Kuwait-,im Kosovokrieg waren die Vereinten

Im Kuwait- und im Kosovokrieg waren die Vereinten Nationen, ihre Mandatierung und ihre Rolle ein Dauerthema. Jetzt nicht. Haben die UN abgedankt?

Als was? Als "Weltregierung"? Das waren sie nie, sondern immer nur Spiegelbild der Macht- und Interessenverhältnisse in der Welt. Diesmal hört man so wenig von den UN, weil sie der Anti-Terror-Koalition von Anfang an ein klares Mandat zur Kriegführung gegeben hat - und zwar mit einer historischen Abstimmung im Sicherheitsrat von 15 zu null. Folglich gibt es keine Debatten wie im Kuwait- oder Kosovokrieg. Von den UN wird man wieder hören, wenn der Krieg vorbei ist. Dann könnten der Organisation wichtige zivile Aufgaben bei der Verwaltung und Versorgung Afghanistans zufallen.

Drei Tage Zeit nehmen sich George W. Bush und Wladimir Putin füreinander. Was muss bei einem so großen Aufwand mindestens herauskommen?

Auch Kohl und Jelzin sowie Schröder und Putin haben sich so viel Zeit für einander genommen - z.B. für Saunagänge und sonst nicht viel mehr. Dieser Zweiergipfel in Texas könnte historische Dimensionen haben. W. und Wladimir könnten sich in der Raketenabwehr einigen: Die Amerikaner dürfen testen, die Russen bekommen radikalere Schnitte bei der US-Atomrüstung. Zweitens könnten die beiden sich im Prinzip darüber verständigen, wer unter den alten Ostblockstaaten in der zweiten Tranche in die Nato kommt. Drittens wird W. dem Wladimir ein neues Verhältnis zur Allianz anbieten - und so Russlands Wunsch nach einer vertieften Westbindung erfüllen. Wenn auch nur eine dieser drei Möglichkeiten Wirklichkeit wird, hätte sich der Gipfel schon gelohnt.

Trotz massiver Unterstützung der USA kommt die Nordallianz nur mühsam voran gegen die Taliban. Kann sie nicht oder will sie nicht?

Nicht so schnell. Am Wochenende meldete die Nordallianz die Einnahme von Masar-i-Scharif. Das ist noch nicht das Ende des Taliban-Regimes, dessen Kraftzentren (Kabul, Kandahar) im Süden durch hohe Bergketten geschützt werden. Dennoch: Die gesicherte Eroberung der Stadt wäre ein entscheidender psycho-strategischer Sieg. Die Amerikaner erhielten so einen Luftstützpunkt und eine Landbrücke nach Usbekistan. Ihre Kampfjets könnten dann in Minuten über der Front auftauchen; derzeit müssen manche aus Kuwait einfliegen und brauchen für die Rundreise (mit zwei Mal Auftanken) bis zu zehn Stunden. Das Blatt wendet sich gegen die Taliban.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

"Was macht die Welt" befindet sich zur Zeit in Washington. Hier ist man voll des Lobes über die überraschend feste Unterstützung durch die Regierung Schröder-Fischer, weil man sich noch an die weißen Laken aus dem Golfkrieg erinnert. Die Zusage von 3900 deutschen Soldaten war ein kluger Schachzug. Die sind billiger als die Tributzahlung von zehn Milliarden während des Golfkriegs; außerdem verschafft sich Berlin so einen Batzen stimmberechtigter Aktien, die Einfluss über die US-Kriegführung versprechen. Schließlich: Diese Truppen werden wohl nie zum Einsatz kommen, weil die USA sie nicht wirklich brauchen.

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