Meinung : Was macht die Welt?: Stippvisiten, Langzeitmissionen und Planschen auf Mallorca

Nach Joschka Fischers bejubeltem Vermittlungserfol

Nach Joschka Fischers bejubeltem Vermittlungserfolg gehen die Anschläge und Schießereien im Nahen Osten weiter wie gehabt. Hat Fischer doch nichts erreicht?

Nicht so schnell. Der Kampf um die Levante, zumal um Jerusalem, läuft seit 4000 Jahren, die jüngste Runde zwischen Juden und Arabern seit 100. Solche Konflikte lassen sich nicht mit einer Stippvisite nach Nahost (Fischer) lösen. Auch nicht mit einem Zwei-Tage-Ausflug von Peres und Arafat nach Berlin (wenn sie denn tatsächlich kommen). Immerhin wurde auch der Präsident der "letzten verbleibenden Supermacht", Bill Clinton, vergangenen Sommer in Camp David heftig frustriert. In solchen Kriegen wird immer beides getan: geschossen und geredet. Bloß reden Israelis und Palästinenser derzeit nicht miteinander. Wenn sie in Berlin dazu animiert würden, hätte Fischer mehr erreicht, als es sich ein europäischer Außenminister je träumen könnte. Tipp an die Gastgeber: Kein Schweinefleisch auf dem Menü. Das Verbot haben die Muslime von den Juden abgeguckt. Wenigstens eine Gemeinsamkeit.

Die Schätzungen über die Zahl der einzusammelnden Waffen in Mazedonien reichen von 2000 bis über 80 000. Die über die Dauer der Mission von zehn Tagen (Pentagon-Chef Rumsfeld) über 30 Tage (Nato) bis zu mehreren Jahren. Wieviel bietet "Was macht die Welt"?

Einen Aufenthalt mit offenem Ende. Die Nato und Mitläufer (wie Russland) sind seit 1995 in Bosnien, seit 1999 im Kosovo, weil keines der Probleme, die zu Säuberung und Krieg geführt haben, gelöst worden ist. Die UCK wird ihre besten Waffen nicht abgeben, ebenso wenig, wie es die IRA in Nordirland getan hat. Es wartet eine neo-imperiale Mission - nicht zum Behufe der Ausbeutung, sondern der Gewalt-Unterdrückung. Wer ganz pessimistisch sein will, denke an Türken und Habsburger. Die saßen bis zu 400 Jahre auf dem Balkan, der uns das Klischee vom "Pulverfass" verschafft hat.

Die Anti-Rassismus-Konferenz in Durban soll zu einer Bühne gegen Israel gemacht werden. Sollen deutsche Regierungsvertreter da überhaupt hinfahren?

Die fahren, das ist bundesrepublikanische Tradition, überall hin - erst recht, wenn nun auch die Amerikaner dabei sein werden. Sie sollten sich freilich nicht zum Büttel von Arafat und Freunden machen lassen. Den Zionismus mit "Rassismus" gleichzusetzen, wäre ein starkes Stück. Es sei denn, man bezeichnet jegliche nationale Idee als "Rassismus", in diesem Fall auch die der Palästinenser, die in Wahrheit nicht nur gegen die Besatzung kämpfen (legitim), sondern auch gegen das Existenzrecht eines jüdischen Staates (was man mit der Gleichung Zionismus = Rassismus gut heißen würde).

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik ...

Die steht zur Zeit ganz gut da. Schröder ist es gelungen, das Parlament in der Frage des Mazedonien-Einsatzes auf seine Seite zu ziehen: die FDP von der Union zu trennen und diese zu isolieren. Fischer macht Furore mit seinem Nahost-Einsatz. Und Scharping planscht mit seiner Gräfin in Mallorca. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, was die Deutschen sonst so im August angestellt haben: vom Kriegsausbruch anno 1914 bis zum Mauerbau 1961.

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