Meinung : Was macht die Welt?: Unklare Logik, scheidende Genies, verstopfte Talkshows

Immer breiter werden Forderungen nach einer Bomben

Immer breiter werden Forderungen nach einer Bombenpause, von Pakistan bis zur IG Metall. Sollen die Amerikaner innehalten, um ihre Strategie zu überdenken?

Bestimmt nicht, weil die IG Metall das fordert; deren Mitglieder müssen anders als Amerikas und Englands Soldaten nicht ihren Kopf hinhalten, wenn es zu größeren Bodenoperationen kommt. Doch ist vor allem nicht die Logik einer solchen Forderung klar. Wenn die Taliban auch unter Bombendruck bin Laden nicht herausgeben, warum würden sie es in einer Pause tun? Tatsächlich kann eine Bombenpause nur den Taliban helfen; sie können sich umgruppieren, neue Verteidigungslinien aufbauen, zur Gegenoffensive gegen die Nordallianz übergehen. Wer also "Bombenpause" sagt, sollte sich ehrlich machen und sagen: Wir wollen diesen ganzen Krieg nicht.

New York wählt einen neuen Bürgermeister. Welchen Job sollte die Welt dem hochgelobten Krisenmanager Rudolph Giuliani anbieten, wenn er das Amt in drei Monaten übergibt?

Sie könnte ihm, dem großen Saubermacher, den Bürgermeisterposten in solchen Städten wie Paris oder Berlin anbieten, wo Unterschleife, Filz und schlechtes Management herrschen, egal, ob gerade Links oder Rechts oder beide regieren. Giuliani könnte auch oberster Nahostvermittler sein; wer mit den Betonköpfen in der New Yorker Verwaltung und in den Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes fertig geworden ist, kann auch Arafat und Scharon in Bewegung bringen. Grundsätzlich: Wer eine der schwierigsten Großstädte der Welt (neben Mexico City, Schanghai oder Lagos) zu regieren versteht, kann alles. Der könnte auch eine Ampel-Koalition in Schach halten.

Sechs internationale Arbeitskreise von "Rom" über "Zypern" und "Peschawar" bis "6 plus 2" werkeln in unterschiedlicher Zusammensetzung an der Zukunft Afghanistans. Wie viele sind das zuviel?

Arbeitskreise sind immer gut. Sie sind eine prächtige ABM-Institution für arbeitslose Politiker und andere Ex- oder Noch-Würdenträger. Solche Leute gehören einfach beschäftigt, damit sie nicht in noch größeren Mengen die Talkshows verstopfen. Wichtig wäre es allerdings, dass diese Arbeitskreise gelegentlich auch in Afghanistan tagen, damit sie sich ein Bild verschaffen können von der schier unmöglichen Aufgabe, die sie zu erfüllen versuchen. Wenn die Taliban vertrieben worden sind, ist allenfalls ein labiles Nebeneinander von Völkern, Stämmen und Warlords möglich. Am wichtigsten für die Zukunft wäre es, wenn all die Anrainerstaaten ihre Begehrlichkeiten zügeln - und den Hilfsorganisationen erlauben, eine verelendete Bevölkerung zu ernähren.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Joschka Fischer ist aus Nahost zurückgekehrt, wo er sich redlich und hartnäckig um ein wenig Fortschritt bemüht hat. Bloß zeigt sich als Resultat nur das bekannte deutsche Dilemma: hier die "enge Verbundheit" zu Israel, dort das Bekenntnis zu einem Palästinenser-Staat. Plus ein Appell, die Gewalt durch Gespräche zu ersetzen. Um das Wünschenswerte zu artikulieren, muss man nicht auf beschwerliche Auslandsreisen gehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben