Meinung : Was macht die Welt?: US-Brezeln, israelische Blockade und ein blonder Bayer

An seinem ersten Amtsjahr hatte George W. Bush sch

An seinem ersten Amtsjahr hatte George W. Bush schwer zu schlucken, nicht nur der mutmaßlichen Brezel wegen. Wird das zweite leichter?

Abgesehen von der etwas langwierigen Stimmen-Auszählphase ganz am Anfang 2001 ging es W. doch ganz gut. Dann kam Afghanistan, und seine Popularitätswerte schossen ins All. Auf dieser historisch beispiellosen Höhe befinden sie sich noch immer. Das zweite Jahr wird insofern schwerer, als der Commander-in-Chief nicht mehr als großartiger Kriegsherr glänzen kann, sondern mit ganz prosaischen Problemen wie der Konjunkturflaute kämpfen muss. Im Verlauf wird Kritik am Präsidenten nicht mehr als unpatriotischer Akt gelten. Aber: Wenn St. Alan (Notenbankchef Greenspan) recht behält, könnte W. sehr bald im Glanz eines neuen Wirtschaftswachstums dastehen. Auf jeden Fall muss er lernen, sorgfältiger zu kauen.

Israels Premier Scharon lässt Arafats Polizeistationen und seinen Flughafen zerstören. Jetzt fährt er Panzer gegen Arafats Hauptquartier auf. Will Scharon die Autonomie beseitigen?

Scharon überdreht. Er hatte Arafat schon dazu gebracht, die Terroristen im eigenen Lager an die Leine zu nehmen; plötzlich schien der Frieden wieder eine halbe Chance zu haben. Dass er Häuser im Gazastreifen plattmachen lässt und die Blockade palästinensischer Städte verschärft, lässt wieder ahnen, dass dieser brillante Krieger nur von hier nach da denkt, also kein strategisches Konzept hat. Unterwerfung und Erniedrigung sind das Gegenteil einer vorausschauenden Politik. So spielt er den palästinensischen Extremisten in die Hände; der Ausweg aus dem Zyklus von Terror und Vergeltung bleibt versperrt.

Über Zypern urteilte "Was macht die Welt?" Anfang Dezember, eine Aussöhnung sei unwahrscheinlich. Jetzt treffen sich die Führer der Griechen und der Türken dreimal pro Woche. Gibt es doch Hoffnung?

Hoffentlich hat sich "Was macht die Welt?" ebenso gründlich wie langfristig geirrt. Denn die Zweiteilung dieser unglücklichen Insel seit 1974 ist eine Absurdität, zumal für Ankara, das, obwohl pleite, mit dem türkischen Teil einen permanenten Sozialfall am Halse hat und außerdem seine EU-Ambitionen begraben muss, solange Athen sein Veto-Schwert zückt. Wollen wir also hoffen, dass die Führer der verfeindeten Zypern-Völker, Denktasch und Klerides, inzwischen so sehr im Banne von Altersmilde und -weisheit stecken, dass sie einen tragfähigen Deal zustande kriegen.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Die Frage ist: Was wird aus Joschka, wenn seine Grünen am 22. September unter die Fünf-Prozent-Marke plumpsen? Kann er den Schily machen und rechtzeitig in die SPD überwechseln? Geht nicht; dazu ist seine Rolle in der Partei zu zentral. Kann er als Spitzenkandidat die Grünen noch einmal ins Parlament stemmen? Möglich, aber eine Mehrheit von Rot-Grün wäre damit noch nicht garantiert. Außerdem wird ihm Schröder nicht den Gefallen einer eisenharten Koalitionsaussage tun. Zeit also, über andere Optionen nachzusinnen. Tipp: Der Blonde aus Bayern tastet sich immer weiter nach links vor ...

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