Meinung : Was macht die Welt?: Vier Fragen an Josef Joffe

Die politikfreie Karnevalszeit ist Reisezeit. B

Die politikfreie Karnevalszeit ist Reisezeit. Bundespräsident Johannes Rau besucht Indonesien. Kann Deutschlands Staatsoberhaupt etwas beitragen zur Überwindung der brutalen religiösen und sozialen Konflikte im größten Moslem-Staat der Erde?

Johannes Rau hätte in die Schweiz reisen sollen, nach Schweden oder Finnland. Indonesien aber gehört zu den Top-Ten-Krisenländern auf diesem Erdball. Was soll unser jovialer Präsident dort beschicken, wenn Indonesiens eigener Präsident Wahid (fast erblindet) gegen Korruptionsvorwürfe und gewalttätige Demos kämpfen muss und seine Vizepräsidentin Megawati Sukarnoputri standhaft schweigt, statt sich als Alternative zu positionieren? Der eine sieht nichts, die andere sagt nichts - so hat es UN-Chef Kofi Annan nach seinem jüngsten Besuch in Jakarta beschrieben. Die Unterhaltung zwischen Johannes Rau und seinen Gastgebern wird also nicht sehr spannend sein. Zu trinken gibt es in Moslem-Ländern auch nichts.

Wieder ist die Staatsanwaltschaft hinter Bill Clinton her: weil er in allerletzter Minute - und wie es heißt: für viel Geld - den in die Schweiz geflüchteten Geschäftsmann Marc Rich begnadigt hat, den kriminellen Selbstbereicherer, der in den USA auf allen Fahndungslisten steht. Braucht man in der Politik nicht doch etwas mehr Charakter?

Ja, das ist Clintons Tragödie (Kohls auch). Clinton hätte als "great president" in die US-Geschichte eingehen können, wenn er sich nicht immer wieder in Unterschleif und Lügenaffären verstrickt hätte. Jetzt steht er wegen lumpiger 7000 Dollar im Visier der Strafverfolger; das ist der Wert der Möbel, die Richs Ex-Gattin Denise ihm geschenkt hat. (Dazu kommen noch 1 Million für Clintons Partei und eine halbe für die Clinton-Bibliothek.) Allzu kurz ist also die Spur, die von diesen Wohltaten zur Begnadigung führt. Lasst uns nur gottesfürchtige Spießer oder sehr reiche Menschen ins höchste Staatsamt hieven.

Rudolf Scharpings Karnevalsreise führt nach China. Kann der "Staatsbürger in Uniform", der sich bei der Eingliederung der undemokratischen NVA bewährte, auch dort zu einem Modell werden?

Die Eingliederung der NVA haben wir Scharpings Vorgänger Volker Rühe zu verdanken. Scharping könnte in China allenfalls als Stützpunkt-Schließer Vorbild sein. Die Chinesen haben die größte Armee der Welt, die inzwischen zum größten Wirtschaftsunternehmen des Landes geworden ist. Raus aus den Uniformen und dafür ganz offen rein in die Börse - das sei die Devise. Das wäre besser für die chinesische Wirtschaft und auch für den Frieden der Welt.

Ein Wort zum deutschen Außenminister ...

Der versucht, in Washington gut Wetter zu machen, derweil die Chinesen versuchen, Scharping in Peking für ihre anti-amerikanische Politik in Sachen Raketenabwehr einzuspannen. Fragt sich, wer jetzt in Berlin für die große Strategie zuständig ist. Wahrscheinlich erleben wir demnächst die Neuauflage des Duells Müller-Riester, bei dem Schröder abermals als strahlender Medienheld den väterlichen Schlichter spielt.

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