Meinung : Was macht die Welt?: Vier Fragen an Josef Joffe

Der neue amerikanische Außenminister Colin S

Der neue amerikanische Außenminister Colin S. Powell bereist gerade den Nahen Osten. Hat er überhaupt eine Chance, dort etwas zu bewegen?

Die Regierung Bush versucht derzeit, mitten im Nahost-Treibsand die Kamele zu wechseln, also das immer noch unlösbare Palästina-Problem hintanzustellen und sich auf den größeren Regionalkonflikt zu konzentrieren, dessen Kern der Irak ist. Saddam rüstet zügig auf und baut ebenso verbissen weiter an seinen Massenvernichtungswaffen. (Inzwischen meldet sogar der BND, dass der Irak in drei Jahren die Atombombe produzieren könne.) Powell will die alte Golfkrieg-Koalition wieder festigen. Sein Problem: Die arabischen Potentaten finden es ganz bequem, dass die Amerikaner für sie die irakischen Potentiale zerbomben, derweil sie selber, um daheim die Straße zu besänftigen, wider den "US-Imperialismus" schimpfen.

Am kommenden Sonntag stimmt die Schweiz erneut über die Europäische Union ab. Kommen die Eidgenossen ganz gut ohne Europa aus?

Bisher doch ganz prächtig. Sie leisten sich eine noch höhere Agrar-Protektion als die EU-15. Sie müssen sich von Brüssel nicht die Krümmung von Bananen und die Entregulierung von Märkten vorschreiben lassen. (Inzwischen beschäftigen sich die Parlamente der EU-Staaten zu einem Drittel mit der Ausführungs von Gesetzen, die auf europäischer Ebene vorbestimmt werden.) Die Schweizer haben immer von ihrer alpinen Nischenposition profitiert. Warum sollen sie ihre Festung schleifen, zumal sie ohnehin keine europa- oder gar weltpolitischen Ambitionen haben?

Das IOC hat Kundschafter nach Peking geschickt, die begutachten sollen, ob China ein würdiger Gastgeber für Olympia 2008 sein könnte. Sollte die Politbüro-Diktatur dieses Gütesiegel bekommen?

Nun denn, bei Hitler-Deutschland 1936 und Breschnjew-Russland 1980 haben die Olympioniken auch "Ja" gesagt. Bloß: Ein wenig haarsträubend wäre es schon, Beach Volleyball (wie geplant) auf dem Tienanmen-Platz zu spielen. Aber schon heute werden im Namen der Bewerbung ganze Viertel im alten Peking platt gemacht, um Platz zu schaffen für Neubauten (und die Profite der korrupten Nomenklatura). Wer gegen die Zwangsumsiedlung protestiert, wird mit vier Jahren Knast bedroht. Würdig sollte sein, wer die Menschenwürde respektiert. Deshalb lieber Paris, Toronto oder Osaka (Istanbul scheidet aus ähnlichen Gründen aus.)

Ein Wort zum deutschen Außenminister...

Der arme Joschka. Jetzt fallen ihm auch schon die Parteifreunde in den Rücken, weil er sich klugerweise in Washington nicht mit der neuen Regierung in Sachen NMD und Irak angelegt hat. Weiter rechts versuchen sie, ihm einen Strick aus 26 Jahre alten V-Männer-Berichten zu drehen, wonach er vielleicht doch... Mit wem hat er vor dreißig Jahren gefrühstückt, wie laut hat der Milchbart auf dem PLO-Kongress in Algier applaudiert? Wenn erst bekannt wird, dass er in der Buddelkiste einem 3-jährigen das Schäufelchen übergezogen hat, ist er erledigt. Dann werden ihn die Linken darob verdammen, dass er nicht friedensfähig sei, und die Rechten, dass er diese Untat nicht schon 1960 bereut hat.

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