Meinung : Was macht die Welt?

Warum die deutsche Kinderdebatte hysterisch ist

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Die Deutschen sterben aus, immer weniger Kinder werden geboren. Ist das schlimm?

Alle „sterben aus“, weil die Geburtsraten im Westen, aber auch im Osten seit dem Babyboom nach dem Zweiten Weltkrieg sinken. Neuerdings auch in der Dritten Welt, jedenfalls dort, wo die Wirtschaft und das Bildungsniveau der Frauen wächst. Schlimm ist nur die Hysterie in diesem Land, die nicht nur vom Boulevard, sondern auch von der Qualitätspresse geschürt wird. Laut UN werden wir in Deutschland im Jahre 2050 78 statt 82 Millionen sein. Als Deutschland 1871 geeint wurde, waren es 42, bei Kriegsende 70. Sind wir da auch ausgestorben?

Der Afghane Abdul Rahman war zum Christentum konvertiert. Dafür sollte er bis vor kurzem hingerichtet werden. Die Taliban wurden gestürzt, muss der Westen mit den Taliban light leben?

Glaubensabfall wurde auch im Westen einst (siehe „Inquisition“) mit dem Tod gerächt. Aber wir haben das, äh, gottseidank hinter uns und sollten deshalb unsere Schützlinge in Afghanistan (Karsai und Co.) daran erinnern, dass Religion aus sehr guten Gründen nicht dem Strafrecht unterliegen darf. Außerdem steht es so nicht einmal im Koran, wo die Strafe für den Abfall nicht hier, sondern im Jenseits verhängt wird. WmdW wettet, dass es zur Hinrichtung nicht kommen wird.

Tony Blair meinte in der vergangenen Woche, der Nahostkonflikt bleibe die Hauptursache für die arabisch-muslimische Wut auf den Westen. Stimmt das?

Natürlich nicht. Israel gibt es seit 1948. Die Wut der arabischen und von Teilen der islamischen Welt ist relativ neu, und die Ursache liegt vorweg in der Unfähigkeit der arabischen Welt, mit dem Westen und auch vielen Asiaten auf dem Weg der Modernisierung mitzuhalten – sei es im Ökonomischen oder Politischen (wo Partizipation und Freiheiten scharf rationiert bleiben). Hat Saddam Hussein aus „Wut“ über Israel sein Volk geknechtet und zwei Angriffskriege (gegen Iran und Kuwait) begonnen? Was hat der Karikaturenkrieg mit Israel zu tun? Iran war unter dem Schah Israels bester Freund in der Region, die Türkei ist ein De-facto-Verbündeter. Dagegen sind England und Spanien nicht sehr israelfreundlich, und trotzdem gingen dort 2005 und 2004 die Terrorbomben hoch. Israel- und Amerikahass sind wie der Antisemitismus klassische Mittel, um von den eigenen Krisen abzulenken.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Interessant, was die „International Herald Tribune“ (Ableger der „New York Times“) meldet: „Ein Star im Ausland, gerät Merkel in die Kritik daheim.“ Ihr Problem sei der Reformstillstand. Aber, so der Berlin-Korrespondent, das werde sich nach den gestrigen Landtagswahlen ändern. Danach werde Merkel einen „dezidierten“ Reformkurs einschlagen. Inschallah.

Der Autor ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: mal

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