Meinung : Was macht die Welt?Cowboy-Imperialist, dummer Sozialist, gezügelter Pazifist

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Vier Fragen an Josef Joffe

Saddam Hussein will die UN-Waffenkontrolleure nun doch in den Irak lassen. Europa nimmt daraufhin den Druck zurück (keine scharfe UN-Resolution), Amerika erhöht ihn (Ermächtigung zum Militärschlag). Wer liegt falsch?

Europa. Der Grund ist einfach. Dem Diktator sind seine Massenvernichtungswaffen so wichtig, dass er lieber die verschärften Sanktionen als die Inspekteure in Kauf genommen hat. Konkret: Deren Rausschmiss war ihm 160 Milliarden Dollar wert – auf so viel Öleinkommen musste er danach verzichten. Wer so einen hohen Preis für sein Giftzeug bezahlt (und auch noch sein Volk hungern lässt), wird jeden Trick nutzen, um auf Zeit zu spielen und effektive Kontrollen zu vermeiden. Jedes Zeichen von Unentschlossenheit wird ihn ermutigen, dieses Spiel weiterzutreiben. Das wissen die Europäer ebenso gut wie die sog. „Cowboy-Imperialisten" in Amerika.

Wann wird das deutsch-amerikanische Verhältnis wieder besser: nach der Bundestagswahl – oder erst nach der November-Wahl in den USA?

Formulieren wir die Frage anders: Was ist in die Köpfe von Herta Däubler-Gmelin und Rudolf Scharping gefahren oder genauer: aus denen herausgekrochen? Die eine wirft Bush vor, mit seiner Irak-Politik nur von innenpolitischen Verfehlungen abzulenken – wie man es seit „Adolf Nazi" tue. Der andere bricht das letzte Tabu, wie der Kolumnist der „New York Times“ Bill Safire berichtet. Schuld an der Irak-Politik, habe Scharping gesagt, sei nur die „jüdische Lobby". Das sehr reale Problem Saddam ist bloß ein wahlpolitisches Manöver? Onkel Sigmund nennt das „Projektion": Man unterstellt den anderen, was man selbst tut. Und suggeriert dabei noch, Adolf habe mit dem Zweiten Weltkrieg Reichstagswahlen gewinnen wollen. Wie sagte der Urvater der SPD, August Bebel? „Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerls." Antiamerikanismus fällt unter eine ähnliche Rubrik. Leider ist Bebel-Erbe G. Schröder nicht ganz unschuldig an dieser Tragödie, hat er doch derlei „Weisheiten" mit seinen Ausfällen gegen Amerika überhaupt erst hoffähig gemacht.

An der innerkoreanischen Grenze werden Minen geräumt. Besiegen Hunger und Diplomatie den „Schurkenstaat" Nordkorea?

Das wäre wunderbar, nach dem Motto des alten Carly Simon Songs: „Killing him softly ..." Andererseits: Alles, was der nordkoreanischen Familiendiktatur das Leben leichter macht, verlängert es auch. Man möge Politik nicht mit Psychiatrie verwechseln, zumal bei einem so unberechenbaren Patienten wie Kim Jong Il.

Ein Wort zum deutschen Außenminister…

Wahrscheinlich beschäftigen wir uns heute nicht zum letzten Mal mit J. Fischer – auch wenn der endgültige Wahlausgang noch nicht feststeht. Anlass genug jedenfalls, um festzuhalten, dass er vier Jahre lang das Richtige getan hat. Er hat dem Pazifismus seiner Partei Zügel angelegt und die Deutschen Verantwortungspolitik gelehrt. Und die deutsche Staatsräson hochgehalten, indem er a) Gemeinschaftspolitik betrieben, b) die Freundschaft mit Amerika gepflegt und c) bei aller Ausgewogenheit den Bestand Israels nicht gefährdet hat. Schade, dass davon manches im Wahlkampf verblasst ist.

Josef Joffe ist Herausgeber und Chefredakteur der „Zeit“. Fragen cvm

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