Meinung : Was nach Möllemann kommt

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Die FDP, das muss leider gesagt werden, hat ohne Jürgen M. ein Stück Individualität verloren – es fehlt das Moment des schlichten Irr bzw. spontanen Wahnsinns vom ersten Fallschirmsprung bis hin zum Projekt 18, das die letzten Jahrzehnte mit dem großen Liberalen so ausgesprochen kurzweilig gestaltete. Die Nachfolger dilettieren noch, zeigen aber gute Ansätze, beispielsweise das Projekt 30. Es hängt mit dem Parteitag im Mai zusammen und läuft darauf hinaus, einerseits Geld in die Kasse zu bringen, andererseits aber auch die Attraktivität der Liberalen zu testen: Der Eintritt zum Parteitag soll „für Gäste und Presse“ 30 Euro kosten. Enthalten ist zwar das gesellige Beisammensein mit Buffet im Wert von 15 Euro, aber das meiden Eingeweihte ohnehin mit großer Sorgfalt. Der Grundgedanke besteht wohl darin, dass nur sehr FDP-freundliche Journalisten klaglos zahlen werden, was die Homogenität der Berichterstattung fördern mag. Nur ein erster Schritt! Bald wird die Partei so erfolgreich sein, dass sie auch von ihren Wählern eine Schutzgebühr verlangt; die werden mit dem Argument „Was nichts kostet, taugt auch nichts“ in Massen wählen gehen und die FDP sanieren. Und wir Journalisten können sagen, dass wir von Anfang an dabei waren.

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