Meinung : Was noch zu sagen wäre

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Staatliche Weihen für eine umstrittene Ausstellung? Die Diskussion vor Gerhard Schröders Auftritt bei der Eröffnung der FlickSammlung war heftig: Vom Schulterschluss mit Familien der NS-Täter war die Rede, von Selbstversöhnung und Liebedienerei. „Kunst“, hielt Schröder dem entgegen, „ist kein Mahnmal“. Seine Eröffnungsworte verwahrten sich gegen die Indienstnahme der Kunst, beschönigten gleichzeitig nichts und sprachen die Verstrickung des Namens Flick mit der NS-Vergangenheit explizit an. Sie gemahnen an die kulturelle Verantwortung des Mäzens ebenso wie an die politische Verpflichtung des Flick-Erben. Also keine Schlussstrichrede. Und doch löst die energische Verteidigung des Sammlers gegen „verletzende Unterstellungen“ auch Unbehagen aus. Wenn Schröder als Kronzeugen für Flicks moralische Integrität dessen jüdischen Sammlerkollegen Heinz Berggruen zitiert, ist das vor allem: geschickt. Denn die Rede sparte etwas aus: die verständlichen, immer wieder berechtigten Ängste etwa eines Salomon Korn, das Misstrauen der Überlebenden in ein junges Deutschland, das sich von den Schatten der Vergangenheit befreien möchte. Schröder betont, dass Flick Respekt gebührt. Seine Worte hätten mehr Überzeugungskraft, wenn sie sich auch dafür einsetzten, dass den Opfern und ihren Zweifeln der gleiche Respekt gebührt. Das ist das Spannungsfeld rund um die Kunst, das es auszuhalten gilt. chp

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