Meinung : Was Russland verdient

Von Anselm Waldermann

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Es musste ja so kommen: In vielen Städten hatten die Gasversorger ihre Preise bereits erhöht, da war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Gasag in Berlin nachziehen würde. Durchschnittlich zehn Prozent sollen die Kunden ab Oktober mehr bezahlen. Verwundern kann das niemanden, schließlich ist der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt – und der ist in den vergangenen Monaten in immer weitere Höhen geklettert. Die Frage ist allerdings, ob die Erhöhung beim Gas angemessen ist.

Genau diese Frage aber kann kein Kunde in Deutschland beantworten. Denn die Versorger weigern sich beharrlich, ihre Bezugsquellen und preise offen zu legen. Argumentiert wird vielmehr schwammig: Am teuren Gas seien die Produzenten schuld, vor allem in Russland: Sie würden den Preis nach oben treiben. Das ist zum Teil richtig, denn die Verhandlungsposition der Russen ist in der Tat gut: „Nehmt ihr unser Gas nicht zu unserem Preis, liefern wir eben nach China.“

Doch es ist nur ein Teil der Wahrheit. Schließlich spräche nichts dagegen, dass die Versorger in aller Offenheit klar machen, zu welchen Preisen sie bei den Russen einkaufen. So wäre der Verdacht, sie bereicherten sich an der aktuellen Energiekrise, leicht aus der Welt zu schaffen. Doch die Unternehmen zeigen keine Einsicht und gegen diese Intransparenz erhebt sich zu Recht Unmut. Ein erster Fortschritt ist da das Gerichtsverfahren in Hamburg, in dem die Richter den Gasversorger Eon Hanse aufgefordert haben, seine Bezugspreise bekannt zu geben.

Eine solche Maßnahme kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Denn preisrelevant sind vor allem die Marktverhältnisse in Deutschland. Bisher sind die Gaskunden fest an örtliche Monopolisten – wie in Berlin die Gasag – gebunden. Die Möglichkeit, wie beim Strom oder beim Telefon den Anbieter zu wechseln, besteht derzeit noch nicht. Gerecht ist aber nur ein echter Marktpreis, und der bildet sich nur bei echtem Wettbewerb. Das ungute Gefühl, einzelne Unternehmen könnten sich bereichern, würde dann von allein verfliegen.

Seiten 1, 2 und 17

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