• Was sich nicht bewährt Jugendliche Serientäter: Es fehlt nicht an Härte, sondern an Hilfe

Meinung : Was sich nicht bewährt Jugendliche Serientäter: Es fehlt nicht an Härte, sondern an Hilfe

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Von Gerhard Mauz

RECHTSWEGE

In der vergangenen Woche wurde an dieser Stelle über die Forderung der Polizei nach größerer Härte gegenüber jugendlichen und heranwachsenden Serientätern berichtet – und aus dem Fachaufsatz eines Kriminalbeamten zitiert: „Wie ist es möglich, dass ein junger GewaltIntensivtäter seit seiner Strafmündigkeit von 60 der Polizei bekannt gewordenen Straftatvorwürfen 52 in der Bewährungszeit oder Haftverschonung verursachen kann?"

Das – unbestreitbare – Ärgernis ist nicht vorwiegend den Richtern anzulasten, die zu großzügig mit heranwachsenden Straftätern umgehen. Es ist, wie so oft in unserer von Arbeitslosigkeit geplagten Gesellschaft, auf Personalmangel zurückzuführen. Bewährung wird nicht einfach gewährt – und dann wartet man behaglich ab, ob dieses Geschenk angenommen wird. Nein, die Vernunft hat den „Bewährungshelfer" erfunden. So dumm sind wir ja nun nicht, anzunehmen, die Bewährung werde als Geschenk empfunden und mit betontem Wohlverhalten honoriert.

Leider nur haben wir zu wenig Bewährungshelfer. Nicht, dass es an qualifizierten Personen mangelt und wichtige Positionen nicht angemessen besetzt werden können. Nein, es gibt eine hinreichende Zahl von Frauen und Männern, die zur Verfügung stünden – und hochqualifiziert sind. Doch wir zitieren lieber mürrische Kriminalbeamte, die gewiss auch sehr bedrückende Erfahrungen haben. Wir beklagen eine zu zögerliche Haltung der Justiz vornehmlich gegenüber den Tätern aus dem Bereich der libanesischen, der libanesisch-kurdischen und palästinensischen Tatverdächtigen.

Die Situation ist nicht neu. Sie ist seit Jahren im Gespräch. Die Arbeit der Bewährungshelfer wurde trotzdem immer schwerer, die Zahl derer, um die sich die einzelnen Bewährungshelferinnen und Bewährungshelfer zu bemühen hatten, nur immer größer. Viel Zeit zum Vorgehen gegen einen Mangel, der schwere Folgen haben kann, bleibt nicht.

Gerhard Mauz ist Autor des „Spiegel“. Foto: Dirk Reinartz

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