Meinung : Was uns die Hauptstadt wert ist

Berlin gehört allen Deutschen – die merken es nur nicht

Lorenz Maroldt

Mehr Geld für Berlin – diese Parole läuft als Nachricht einer komplexen Studie voraus, die am Mittwoch von der Deutschen Nationalstiftung präsentiert wird. Gefragt wurde: Was ist uns die Hauptstadt wert? Mehr als 30 Autoren antworteten, darunter routinierte Berlinbeschreiber wie Hans-Jochen Vogel, Richard Schröder, Volker Hassemer, Edzard Reuter und Wolfgang Schäuble. Und da soll die Antwort lauten: Mehr Geld? Das allein kann es nicht sein, und den Autoren geht es in der Tat um mehr. Der Wert Berlins lässt sich nicht nur mit Geld aufwiegen.

Dass Berlin hoch verschuldet ist und deshalb, nach politischen Fehlern in den Neunzigerjahren, Hilfe fordert, hat weniger mit der nationalen Bedeutung der Stadt zu tun, mehr mit dem Föderalismus. Darüber hinaus erfüllt Berlin Hauptstadtaufgaben: konkrete, die sich berechnen lassen, wie der Einsatz der Polizei oder bestimmte Kulturangebote; und symbolische – aber da wird’s schwierig mit der Kalkulation.

Das Problem, das in den meisten Beiträgen zur Lage der Hauptstadt richtig beschrieben, aber weder durch jene Aufsätze, noch durch präsidiale Mahnung oder administrative Anordnungen allein lösbar ist, lautet: Die Deutschen haben noch kein normales Verhältnis zu ihrer Hauptstadt entwickelt. Den meisten Menschen ist es ziemlich egal, wie Berlin dasteht, und da sind die Berliner selbst nicht ausgenommen. Wahrscheinlich dauert es eben doch etwas länger, „normal“ zu werden, als manche hofften.

Politisch unterstützen lässt sich der Annäherungsprozess zwischen den Bürgern und Berlin aber durchaus. So steht die Dreifachrolle als Stadt, Hauptstadt und Land einem fröhlichen Pragmatismus manchmal im Wege; die Fusion mit Brandenburg ist dringend nötig. Die Aufteilung der Ministerien zwischen Bonn und Berlin dagegen erzeugt Diffusion. Berlin könnte den Ländern jeweils ein Stück der Stadt zur Selbstdarstellung anbieten, einen Flecken Heimat in der Hauptstadt, gewissermaßen, der mehr ist als nur eine Landesvertretung. Bundespolitiker dürften auch mal werbend die Fortschritte anerkennen, anstatt, wie Schäuble gerade wieder, Klischees zu bedienen und, ausgerechnet!, mangelnde Dynamik zu beklagen. Ja, und der Bund könnte etwas mehr Geld für Berlin bereitstellen, das auch. Das ist hier ja schließlich nicht die Hauptstadt der Berliner.

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