Was WISSEN schafft : Von Affen und Halbaffen

Die Eilmeldung schlug ein wie eine Bombe. Wie das US-Gesundheitsministerium gestern offiziell bestätigte, ist es bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms zu einem folgenschweren Fehler gekommen: Die DNA-Sequenz ist zu großen Teilen mit genetischen Informationen verunreinigt, die von einem Laboraffen stammen.

Alexander S. Kekulé

Ausgangsmaterial des 1990 begonnenen „Human Genome Project“ (HGP) war die Speichelprobe eines einzelnen Menschen, dessen Identität zunächst geheim gehalten wurde. Für die Analysen wurde das Erbmaterial zunächst mit Hilfe der „Polymerase-Kettenreaktion“ (PCR) vervielfältigt. Weil die PCR jedoch auch Verunreinigungen vermehrt, ist sie in letzter Zeit in die Kritik geraten. So wies die Methode beim „Phantom von Heilbronn“ offenbar DNA-Reste einer unschuldigen Frau nach, die die verwendeten Wattestäbchen verpackt hatte.

Wie die Affen-DNA in das Ausgangsmaterial des Genomprojektes kam, ist bislang ungeklärt. Zum damaligen Zeitpunkt lebte im Labor des HGP-Direktors James D. Watson ein Schimpansenpärchen, das für Intelligenztests trainiert wurde. Wie Watson jetzt einräumte, saßen die Affen regelmäßig mit den Labormitarbeitern am Frühstückstisch. Das Weibchen wusch sogar die Teller ab.

Die Verwechslung von Mensch und Affe, über die in Fachkreisen schon länger spekuliert wurde, erklärt im Nachhinein einige Ungereimtheiten. Sogar Molekularbiologen waren überrascht, dass die Genome von Mensch und Schimpanse zu 98,7 Prozent identisch sein sollten, während der Unterschied zwischen Mann und Frau mehr als vier Prozent beträgt. Die Organisation „Frauen gegen Wissenschaft“ hatte schon lange gefordert, dieses diskriminierende Ergebnis zu überprüfen.

In neuem Licht erscheint auch die genetische Intelligenzforschung. Die beiden kürzlich entdeckten, mit hoher Intelligenz verbundenen Gene Dysbindin-1 und FADS-2 liegen erstaunlicherweise auf einer DNA-Sequenz, die vom Affen stammt. Dazu passen die 2007 veröffentlichten, spektakulären Forschungsergebnisse der Universität von Kyoto: In einem computergestützten Intelligenztest zeigten Schimpansen ein wesentlich besseres Zahlengedächtnis als japanische Studenten.

Jetzt vermuten die Wissenschaftler, dass Menschen mit einem hohen Anteil von Affengenen im Erbgut besonders intelligent sind. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger startete bereits ein staatliches Forschungsprogramm, um diesen Zusammenhang zu untersuchen. Die Initiative wird von Sylvester Stallone und anderen Hollywood-Größen unterstützt. Auch Pamela Anderson will ihr Genmaterial zur Verfügung stellen. Die „Baywatch“- Blondine hatte bereits 2007 die Vermutung geäußert, ihr fehle das „Intelligenz-Gen“, obwohl ihre Eltern als überdurchschnittlich begabt gelten.

Besonders ärgerlich ist die Genom-Verwechslung für James Watson, den Mitentdecker der DNA-Struktur und bekennenden Chauvinisten. Bisher galt die Erkenntnis, der größte genetische Unterschied zwischen Mensch und Affe bestehe ausgerechnet im weiter entwickelten Hoden des Homo sapiens. Watson, der sich bis ins Greisenalter gerne als Liebhaber schöner Frauen darstellt, schmunzelte bei diesem Thema stets zufrieden – dass das Ausgangsmaterial für das Genomprojekt von ihm stammte, war unter Kollegen ein offenes Geheimnis. Gerüchte, wonach sich die Affen in Watsons Labor jetzt über die Blamage totlachen, wurden allerdings nicht bestätigt.

Der Autor ist Institutsdirektor und Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle. Foto: J. Peyer

+++Nachtrag vom 2. April: Wie viele Leser richtig vermutet haben, handelt es sich bei diesem Artikel um einen Aprilscherz+++

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