Meinung : Weißer Fleck auf schwarzer Weste

George W. Bush bleibt ein Klimakiller, doch die Afrikapolitik ist besser als sein Ruf

Christoph von Marschall

Was den einen ihr Klima, ist den anderen ihr Afrika. Eine Woche vor dem G-8-Gipfel in Heiligendamm tobt ein Ringen um die Deutung, ablesbar an den Schwerpunkten der nationalen Medien und den Initiativen der einzelnen Regierungen. Kann es da eine gemeinsame Bilanz geben? Eine Einigkeit wenigstens darüber, was der Schwerpunkt des Gipfels war?

Für Deutschland ist der Kampf gegen den Klimawandel das überragende Thema – und George W. Bush der große Sünder. Zwar startet er nun eine eigene Initiative. Sie ist aber mit deutschen Plänen kaum vereinbar. Kyoto lehnt er ab, verbindliche Klimaziele sollen bis Ende 2008 festgelegt werden, nicht in den G 8, nicht in den UN, sondern in einer neuen Gruppe, in der sich auch China und Indien verpflichten. Sie sollen „langfristig“ gelten. Kurzum: Bush will Klimaschutz erst nach seiner Amtszeit.

Das Pfingstwunder der Verständigung trotz Sprachbarrieren blieb beim Klima aus. Der Streit hatte Amerika freilich gar nicht erreicht, die US-Medien berichteten kaum. Auch Amerika erlebte ein langes Wochenende der Einkehr, wegen Memorial Day, Totengedenken. Hier beherrscht Afrika die politische Agenda: der Schwarze Kontinent als Hauptaufgabe für die G 8. Da ist Bush eher ein Guter, das erkennen selbst seine innenpolitischen Gegner an. Am Dienstag hat er die Sanktionen gegen den Sudan verschärft, wegen des Mordens in Darfur. Lange hatte er in den UN für schärfere Strafen geworben. Als dies an China scheiterte, das Erdöl aus dem Sudan bezieht, sagte Bush: Dann gehen wir alleine voran.

Am Mittwoch versprach Bush weitere 30 Milliarden Dollar für den weltweiten Kampf gegen Aids, Schwerpunkt Afrika. Das ist eine Verdoppelung der bisherigen US- Zusagen. Selbst die Bush-kritische „New York Times“ intoniert ihren Bericht, Bush zeige sich als „humanitärer Geist“, der die G 8 animiere, „seiner Führung zu folgen“.

Bushs Herz für Afrika ist kein kurzfristiger PR-Gag, um der Kritik am Klimakiller USA zu begegnen. Gemessen an seinem engen Terminplan nimmt er sich viel Zeit für den Kontinent. In den ersten anderthalb Amtsjahren traf er 25 afrikanische Führer, 2003 bereiste er Afrika, er spricht oft bei Anti-Malaria- oder Anti-Aids-Initiativen. Die Bilder seiner Tanzeinlage mit einer afrikanischen Folkloregruppe Anfang Mai gingen um die Erde.

Natürlich, Bushs Afrikapolitik hat auch handfeste politische Ziele. Es geht um Einfluss, den die Ex-Kolonialmacht Frankreich dort immer mehr verliert – und den China zunehmend gewinnt. Sie hilft zudem, die Republikaner für schwarze US-Bürger, die „African Americans“, wählbar zu machen. In manchen US-Staaten sind sie das Zünglein an der Waage.

Aber sie bedient auch das Ideal der Amerikaner, die sich gerne als moralische Führer der freien Welt sehen. Darfur, Aids, Afrika werden hier mit derselben moralischen Vehemenz diskutiert wie in Deutschland die Klimapolitik.

Bush bleibt ein Klimakiller, die neue Initiative ändert daran nichts. Seine Afrikapolitik darf man dennoch schätzen.

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