Meinung : Weiter denken

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Die Streiks im öffentlichen Dienst werden heute ausgeweitet. Das ist für die Bürger lästig und unbequem, wenn zum Beispiel berufstätige Eltern ihre Kinder nicht in die Tagesstätte bringen können, weil dort nicht gearbeitet wird. Es ist auch gefährlich, wenn mitten im Winter die Schneeräumkolonnen nicht ausrücken. All das ändert nichts daran, dass die Gewerkschaften ein unveräußerliches Recht wahrnehmen. Wer Rechte hat, hat aber auch Pflichten – zum Beispiel die, nachzudenken. Es geht um 18 Minuten Mehrarbeit pro Tag ohne Lohnausgleich, die die öffentlichen Arbeitgeber fordern. Sie sitzen vor leeren Kassen und wollen dennoch für den Bürger wichtige Dienste sichern. Da sie nicht neu einstellen können, möchten sie dem vorhandenen Personal mehr abfordern – 18 Minuten pro Tag. Der öffentliche Dienst hat in den vergangenen Jahren Opfer bringen müssen – wie fast alle Arbeitnehmer in diesem Lande, so sie überhaupt noch einen Job haben. Natürlich kann niemand von einer Gewerkschaft verlangen, dass sie auf etwas verzichtet, ohne etwas dafür zu bekommen. Eine Arbeitsplatzsicherung zum Beispiel. Aber heute wegen 18 Minuten Mehrarbeit pro Tag zu streiken, ist eine Demonstration der Uneinsichtigkeit, zumal es Kompromissangebote gibt. Sie könnten der Gewerkschaft helfen, das Gesicht zu bewahren. Wer wegen 18 Minuten das Land lahm legt, verliert es hingegen mit Sicherheit. apz

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