Meinung : Weiter so geht nicht

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Auf die alten Tage blickt Klaus Zwickel weit in die Zukunft. Der IG-Metall-Chef, der im kommenden Jahr auf Rente geht, möchte bis dahin die Grundlagen für die Modernisierung der Großorganisation gelegt haben. Sein Entwurf eines „ Zukunftsmanifestes“ ist viel versprechend: Die IG Metall will von links in die Mitte, weil da die meisten Arbeitnehmer, also potenzielle Mitglieder sind; die Verantwortung des Einzelnen für die eigene Qualifikation und für das Gemeinwesen insgesamt wird herausgestellt, was in der individualisierten Gesellschaft auch nahe liegend ist. Ferner thematisiert das Zwickel-Papier die auf Grund der Demografie kaum noch aufrecht zu haltende paritätische Finanzierung der Sozialsysteme und plädiert schließlich für die betriebliche Differenzierung von Tarifverträgen. Vieles davon ist alter Kaffee, aber wenn es endlich mal umgesetzt würde, dann hätte sich Zwickel ein dickes Kapitel in der IG-Metall-Historie verdient. Denn „Weiter so“ geht nicht. Der IG Metall – und allen anderen Gewerkschaften – kommt als Vertreter von Kollektivinteressen die Klientel abhanden. Das belegt die Mitgliederkurve, an der sich ablesen lässt, dass durch vereinheitlichte Botschaften und Konzepte immer weniger Arbeitnehmer erreicht werden. „35-Stunden-Woche für alle!“, das geht heute nicht mehr. Vielfalt ist angesagt. Zwickel hat das erkannt, sein Nachfolger wird es in der Tarifpolitik realisieren müssen.alf

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