Weltwirtschaft : Warum Obama den Sturz von der Fiskalklippe wagen sollte

Wenn sich US-Präsident Obama mit den Republikanern im Etatstreit nicht einigen kann, droht eine Rezession. Damit rechnen viele Ökonomen und Experten. Tatsächlich könnte der Sturz von der Klippe aber auch heilsam sein. Denn die weltweiten Währungsmanipulationen gehen so nicht weiter.

von
Der Sprung von der Fiskalklippe könnte auch heilsam wirken.
Der Sprung von der Fiskalklippe könnte auch heilsam wirken.Foto: dpa

Womöglich helfen ja die Japaner den Amerikanern. Die Kombattanten in Washington haben nur noch ein paar Tage, um den Sturz von der Finanzklippe zu verhindern. Da kann es nicht schaden, wenn in Tokio der neue Regierungschef mit ersten Ankündigungen die Devisenmärkte beeindruckt und dabei den Amerikanern deutlich macht, was auf dem Spiel steht: Wachstum und Wohlstand. Der Japaner will mit einer expansiven Geldpolitik die Wirtschaft in Schwung bringen; das drückte den Kurs des Yen gegenüber dem Dollar, der am Donnerstag auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren stieg. Und das bedeutet: Die Exporte amerikanischer Waren nach Japan werden teurer und die Importe billiger. Die Japaner bekommen mit Hilfe der Währungspolitik einen Wettbewerbsvorteil – und die Amerikaner einen Nachteil.

Geld regiert die Welt, diese triviale Erkenntnis hat im globalen Kapitalismus eine neue Dimension erreicht. In Europa haben wir in jüngster Zeit erlebt, welche Bedeutung eine stabile Währung hat; und wie gefährlich es werden kann, wenn reale Wirtschaft und Währung nicht zusammenpassen. Die USA als stärkste Wirtschaftsmacht der Welt hat den Dollar als die Reserverwährung der Welt immer wieder für ihre Interessen eingesetzt. Mit extrem niedrigen Leitzinsen nahe null Prozent und dem Kauf von Staatsanleihen, der wie Gelddrucken wirkt, versuchen die Amerikaner seit einigen Jahren, den Dollar abzuwerten und dadurch die Weltmarktchancen ihrer Produkte zu verbessern.

Wenn aber die Zinsen in den USA niedrig sind und die Wachstumsaussichten auch nicht gut, dann fließt das Kapital in renditestärkere Regionen. Zum Beispiel nach Brasilien. Dort steigt dann die Nachfrage nach dem heimischen Real, der an Wert zulegt, was wiederum die brasilianischen Produkte auf dem Weltmarkt verteuert. In diesem Zusammenhang spricht die Präsidentin in São Paulo von einem Währungskrieg. Kriegstreiber sind in ihren Augen neben den Amerikanern vor allem die Chinesen, die den Wert ihrer Währung schwach halten. Doch alles in allem trifft der Vorwurf alle Staaten, die ihr zinspolitisches Pulver verschossen haben. In den USA, in Japan und Europa ist das Geld so billig wie noch nie. Trotzdem kommt die Konjunktur nicht richtig in Schwung. Also überschwemmen die Zentralbanken mit anderen geldpolitischen Maßnahmen die Märkte und drücken dabei den Kurs der Währung. Aber das geht nicht lange gut.

Selbst die USA können mit der Macht der Wall Street und des Dollars nicht ewig die realwirtschaftlichen Defizite überspielen: die schwache Industrie, das miese Bildungssystem, die katastrophale Infrastruktur. Sie kommen ebenso wenig an Strukturreformen vorbei wie die Griechen. Oder die Japaner, deren Konjunkturprogramme auf Pump seit mehr als einem Jahrzehnt verpuffen.

In den USA beklagt Warren Buffett, einer der reichsten Menschen der Welt, dass er weniger Steuern bezahlt als seine Sekretärin. Tatsächlich hat die amerikanische Plutokratie zu unglaublicher Ungleichheit und zur Spaltung des Landes beigetragen, wie sie sich jetzt auch in der Unversöhnlichkeit von Demokraten und Republikaner zeigt. Ein armes Land, in dem die Geldwirtschaft, in dem die Reichen über so viele Jahre die Richtung vorgeben haben. US-Präsident Barack Obama sollte in seiner zweiten Periode den Kurswechsel schaffen. Und dabei sogar den Sturz von der Klippe in Kauf nehmen. Vielleicht wäre der Schock heilsam.

28 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben