Weltwirtschaftsforum : Zwischen Krise und Klima

2009 muss in doppelter Hinsicht einen Wendepunkt markieren: Die Welt muss zu einem klugen Maß von Staat und Markt finden, und sie muss das Ende der Klimaerwärmung einleiten. Es sind zwei epochale Aufgaben, die wir lösen müssen.

Moritz Döbler

Rund um den Globus ziehen gigantische Fehlbeträge und Pleiten staatliche Interventionen in nie da gewesenen Ausmaßen nach sich. Was heute den Atem stocken lässt, wird morgen schon von einem neuen Superlativ überholt. Doch jede Krise geht zu Ende – selbst diese, selbst dann, wenn sie 1929 sogar noch in den Schatten stellen sollte. Damit ist allerdings noch nicht viel gesagt. „Duck and cover“ lautete in den 50er Jahren die fröhliche Empfehlung in US-Regierungsfilmchen, wie man sich im Falle eines Atomangriffs zu verhalten habe. Wegducken und verkriechen – das hätte damals nichts geholfen, und das hilft auch heute nichts.

2009 muss in doppelter Hinsicht einen Wendepunkt markieren: Die Welt muss zu einem klugen Maß von Staat und Markt finden, und sie muss das Ende der Klimaerwärmung einleiten. Es sind zwei epochale Aufgaben – zwischen Davos und Kopen hagen, zwischen dem Weltwirtschafts forum, das heute zu Ende geht, und der Weltklimakonferenz im Dezember.

Der Staat hat es über Jahre versäumt, den Märkten Regeln und Leitlinien vorzugeben. Es ist von Märkten zu viel verlangt, sich richtig oder gut zu verhalten – es geht in ihnen darum, Geld zu verdienen. Mag sein, dass sich ein bestimmtes Produkt besonders gut verkauft, weil es die Aura des Guten und Wahren hat. Aber verkauft wird es, um Geld zu verdienen. Das Marktprinzip ist jedoch mitnichten schlecht. Es hat der Menschheit – oder jedenfalls einem immer größeren Teil der Menschheit – ungekannten Wohlstand und Fortschritt verschafft. Jetzt ist freilich der Staat gefordert, seine Versäumnisse wiedergutzumachen. Was immer er tut, ob in Deutschland, den USA oder in den Schwellenländern, er muss es schnell und wirkungsvoll tun, und er darf dabei das Gerechtigkeitsempfinden der Bürger nicht verletzen.

Nach dem Staat zu rufen, heißt nicht, den Markt hinter sich zu lassen. Das gilt auch für den Weg nach Kopenhagen. Bill Clinton hat in Davos bedauert, dass sein Land nach dem Crash der New Economy auf eine strategische Wirtschaftspolitik verzichtet habe. In der Tat: Die größte Volkswirtschaft der Welt hätte damals grüne Technologien als das neue Wirtschaftsfeld der Zukunft definieren können. Stattdessen floss das frei gewordene Kapital in Hypothekenkredite und Finanztransaktionen ohne Sinn und Ziel.

Deutschland hat in den rot-grünen Jahren angefangen, mit staatlichen Impulsen erneuerbare Energien und umweltfreundliche Technologien voranzubringen. Lange schien es so, als führe Bundeskanzlerin Angel Merkel diese Politik fort. Doch spätestens mit der neuen Kfz- Steuer, die Spritfresser eben nicht massiv bestraft, kommen Zweifel auf. Der Welt die soziale Marktwirtschaft als Ideal vorzuhalten und einen schonenden Einsatz von Ressourcen zu fordern, wie es Merkel in Davos getan hat, wird jedenfalls nicht reichen. Gegen die Wirtschaftskrise wie gegen den Klimawandel werden nur bindende globale Vorgaben helfen, die neue unternehmerische Ideen stimulieren.

Im Jahr 2049 werden 100 Jahre Bundesrepublik und 60 Jahre Mauerfall zu begehen sein. Zu wünschen ist, dass unsere Kinder und Enkel dann auch voller Stolz 40 Jahre zurückschauen: in das Jahr, in dem die Welt eine historische Rezession überwand, sich verbindliche Klimaziele setzte und so den Kapitalismus zu einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung fortentwickelte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben