Weniger Einbürgerungen : Amtlich geprüfte Inländer

Die Zahl der Einbürgerungen in Berlin geht zurück. Das zeigt: Deutschland steht immer noch für einen verkrampften Umgang mit Einwanderern – das gilt für die Linken wie die Rechten in der Politik.

Ferda Ataman

Kfz-Zulassungen werden in Deutschland noch immer feierlicher entgegengenommen als die Einbürgerungsurkunde. Dafür ist vor allem das alte Staatsbürgerrecht veranwortlich, das bis vor zehn Jahren auf dem Blutrecht von 1913 basierte. Bis dahin war jeder Neudeutsche aus Sicht der Behörden jemand, der sich durch gesetzliche Schlupflöcher gemogelt hatte. Erst seit 2000 hat jeder Einwanderer, der gewisse Auflagen erfüllt, das Recht, Deutscher zu werden. Dass man dafür einige Prüfungen durchlaufen muss, ist nur recht und billig: Ein Staat darf erwarten, dass seine Wähler die Landessprache beherrschen und wissen, was „Gewaltenteilung“ bedeutet. Dass der Einbürgerungstest, als er vor genau einem Jahr eingeführt wurde, stark umstritten war, ist derweil nicht verwunderlich: Deutschland hat immer noch einen verkrampften Umgang mit Einwanderern – das gilt für die Linken wie für die Rechten in der Politik. Die einen verlangen strenge Regeln für die Nichtbiodeutschen, die anderen vor allem Milde und Verständnis. Genau hier bietet der neue Wissenstest – den übrigens über 98 Prozent der Teilnehmer bestehen – eine Chance für Einwanderer: Sie können endlich das Image des Mogeldeutschen loswerden und „amtlich geprüfte“ Inländer werden. Welcher Ureinwohner kann das schon von sich behaupten? fat

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