Meinung : Weniger Feuer bitte

-

Die gute Nachricht aus dem Iran ist, dass Präsident Mahmud Ahmadinedschad seine Machtbasis bei den Kommunalwahlen und der Wahl zur „Expertenversammlung“ nicht weiter ausdehnen konnte. Gegen ihn hatten sich diesmal klassische Konservative und Reformer verbündet. Seinen bildhaften Ausdruck fand das gemeinsame Vorgehen, als der konservativ-pragmatische Ex-Präsident Ali Haschemi Rafsandschani und der reformorientierte Ex-Präsident Mohammed Chatami am Freitag zusammen das Wahllokal besuchten. Die schlechte Nachricht ist, dass sich wenig an der Politik Teherans ändern wird – schon gar nicht in der Frage des Atomprogramms. Und es ist auch weiter unklar, wer den kränkelnden Chamenei – oberster Revolutionswächter und Herr über das Nuklearprogramm – dereinst ablösen wird: Ajatollah Mesbah-Jasdi, Mentor Ahmadinedschads und radikaler Kulturkämpfer, oder ein weniger anstößiger Kompromisskandidat aus dem konservativen Lager. Wahlen, bei denen sich die Bevölkerung nur zwischen erzkonservativ, gemäßigt konservativ und radikal-revolutionär entscheiden kann, sind wenig aussagekräftig. Die Iraner haben nur deutlich gemacht, dass sie es gerne ein bisschen weniger radikal hätten. Nach der Wahl Ahmadinedschads zum Präsidenten ist das schon ein Fortschritt. clw

0 Kommentare

Neuester Kommentar