Meinung : Wenn er reingeht, muss was rauskommen

uwe

Wenn der Kanzler ruft, werden sie alle kommen: Gewerkschaften und Arbeitgeber, Industrie und Handwerk, die Minister. Am 25. Januar sollen sich die Spitzenvertreter im Bündnis für Arbeit wieder einmal treffen. Das ist mutig, so ein Treffen unmittelbar vor dem Start der heißen Phase der Tarifrunde anzusetzen. Denn schon jetzt ist ziemlich sicher, dass es keine Vereinbarung mehr geben wird, wie der Kanzler sie vor zwei Jahren den Gewerkschaften abtrotzte: einen Tarifabschluss zum Beispiel, der eine niedrige Prozentzahl bei der Lohnerhöhung gegen das Versprechen von neuen Stellen tauscht. Die Metallgewerkschaft will einen solchen Vertrag nicht mehr unterschreiben. Und ob es der traditionell maßvollen Chemiegewerkschaft gelingt, auch in dieser Tarifrunde der IG Metall mit einem niedrigeren Abschluss den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist mehr als unsicher. Doch der Kanzler würde nicht einladen, wenn er nicht Aussicht auf ein Ergebnis hätte. Und so werden wir nach dem Treffen vernehmen, dass sich die Teilnehmer im Bündnis für Arbeit in tiefer Sorge um den Arbeitsmarkt geeinigt haben: auf das Diskutieren von Überstunden. Auf einen weiteren, noch größeren, noch umfassenderen Modellversuch zum Thema Niedriglohn. Auf die intensivere Förderung von Frauenbeschäftigung. Auf eine Debatte zum Thema Arbeitsmarktreform. Auf neue Wege der Qualifizierung. Dafür wird die Bundesregierung mehr Geld beisteuern müssen. Aber das ist ja ein altbekannter Brauch bei Bündnistreffen unmittelbar vor Wahlen.

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