Meinung : Wenn es wieder Spaß machen soll

DIE LIBERALEN VOR DEM DREIKÖNIGSTREFFEN

-

Das Stuttgarter Dreikönigstreffen war für die bundesdeutschen Liberalen von jeher eine Mischung aus Bußgang und Erweckungserlebnis. Regelmäßig vor der traditionsreichen Begegnung zum Jahresbeginn befindet sich die FDP in einem tiefen Tal der Tränen, aus dem sie sich selbst am Zopfe herauszuziehen sucht. Nur einmal konnte sie vor Kraft kaum laufen: im kurzen Wahn der 18Prozent- und Kanzlerkandidaten-Partei. Das Erwachen war schrecklich. Darunter leidet die Partei. Guido Westerwelle soll nun unter Volldampf und Segel das Rettungsmanöver einleiten. Eine mitreißende Aufbruchsrede fordert seine Vize, Walter Döring. Aber Aufbruch wohin? Westerwelle ist der Eloquenteste aus dem liberalen Spitzenteam. Weder Wolfgang Gerhardt noch Rainer Brüderle dürften ernsthaft glauben, ihn von der Brücke vertreiben zu können. Auch die Westerwelle-Kritiker wissen, dass die personelle Rückwärtsbewegung wieder in die Drei-Prozent-Nähe führt. Aber Beredsamkeit allein wird in Stuttgart für eine Neuorientierung nicht reichen. Wenn es wieder Spaß machen soll, liberal zu wählen und liberal zu sein, muss die FDP genau jenen Spaßkasper radikal austreiben, der die Partei am Schluss einfach lächerlich gemacht hat. apz

0 Kommentare

Neuester Kommentar