Meinung : Wenn Genossen zu sehr shoppen

BSIRSKE, LADENÖFFNUNG UND RABATTE

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Frank Bsirske ist nervös. In Sorge um seine Tarifrunde und die Gewerkschaftstreue der Regierung schreibt der VerdiChef den SPD-Abgeordneten im Bundestag einen Brief. Darin fordert er die – zu drei Vierteln gewerkschaftlich organisierte – Fraktion auf, Superminister Clement bei der Liberalisierung des Ladenschlusses zu bremsen. Längere Öffnungszeiten im Einzelhandel seien unerträglich für die Beschäftigten, so Bsirske, und das Thema Ladenschluss an sich „populistisch ausschlachtbar“. Ein guter Sozialdemokrat dürfe da nicht mitmachen. Wird der Appell Gehör finden? Bsirske weiß, dass Clements Gesetz durch den Bundestag muss. Und er weiß, dass viele Arbeitnehmervertreter in der SPD-Fraktion zwei Seelen in ihrer Brust tragen: hier der gewerkschaftliche Interessenvertreter, dort der Sozi als selbst einkaufender Mensch. Letzterer wird Bsirskes Brief mit Unbehagen lesen. Denn beim Weihnachtsrummel hat er wieder bemerkt, dass längere und flexiblere Ladenöffnungszeiten eigentlich eine Wohltat wären. Damit teilt er die Mehrheitsmeinung der Deutschen. Und die sollte der Bundestag doch repräsentieren. Und die Beschäftigten? Wie die Belastungen für alle fair verteilt werden können, zeigt Großbritannien, wo intelligente Ladenöffnung längst funktioniert. Bsirskes mitten in die Rabattschlacht platzierter Appell an die sozialdemokratische Seele kommt zu spät – die SPD ist schon weiter. mot

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