Meinung : Wer kann sich das noch leisten?

Foto: Staatliche Museen zu Berlin/Thomas Meyer
Foto: Staatliche Museen zu Berlin/Thomas MeyerFoto: Thomas Meyer

„Museen entdecken und erleben“ in der Beilage „Staatliche Museen zu Berlin“

Ich liebe diese Führungen mit Workshop in der Gemäldegalerie zu den verschiedensten Kunst-Themen. Es stimmt: Diese sind qualitativ hochstehend und Kinder und Lehrer gehen mit prall gefülltem Herzen nach Hause.

Den Beschluss der Staatlichen Museen aber, die Kosten für Führung und Workshop einfach mal um ca. 70 Prozent (von 52 auf 90 Euro zzgl. Materialkosten) zu erhöhen, kann ich nicht unkommentiert hinnehmen. In den „Informationen zu Neuerungen ab 1. August 2013“ steht: „Schulklassen sind unsere wichtigsten Besucher“ und „Kulturelle Teilhabe ist uns wichtig!“. Wenn das so wäre, dann ist mir die Preiserhöhung erst recht unverständlich, Kostendeckung hin oder her. Das ist eine rein politische Entscheidung und die fällt mal wieder gegen die „wichtigsten Besucher“ aus.

Ich hatte mir für das kommende Schuljahr fünf Veranstaltungen für meine 6. Klasse herausgesucht und habe aus Protest nun gar keine gebucht. Wer und was bleibt denn da auf der Strecke? Und der Museumspass? Umständlich (!), neues Formular (hoch lebe der Vorgang!), meine Schule ist nicht im Kundenkreis.

Auf der ersten Elternversammlung werde ich das Thema ansprechen und dann vielleicht ein oder zwei Veranstaltungen buchen. Der Spaß, mit meiner Klasse Museen zu besuchen, ist mir aber gründlich vergangen. Ich bin gespannt, ob sich da noch etwas in Richtung Kostendämpfung entwickelt, sonst bin ich raus.

Harald Stolzenberg,

Grundschule am Karpfenteich,

Berlin-Steglitz-Zehlendorf

Grundsätzlich bieten wir allen Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr einen kostenfreien Zugang zu den Museen. Jede Lehrerin und jeder Lehrer ist eingeladen, den Bildungs- und Erlebnisraum Museum für selbstständig durchgeführte Besuche mit Schulklassen zu nutzen. Die Museen unterstützen sie bei der Vorbereitung und Durchführung der Besuche durch Lehrerfortbildungsveranstaltungen sowie Informations- und Arbeitsmaterialien für Lehrer und Schüler.

Darüber hinaus unterstützen wir die schulische Bildungsarbeit mit einem breiten Angebot an Führungen und Workshops. Allein im Jahr 2012 führten wir 7868 Veranstaltungen für Schulklassen in unseren Museen durch. Diese Angebote sind für die Staatlichen Museen zu Berlin aber auch mit finanziellem Einsatz verbunden. Im Haushalt stehen für Schulführungen und Workshops pro Jahr 102 000 Euro zur Verfügung, die für die Honorare der freiberuflichen qualifizierten Kunst- und Kulturvermittler eingesetzt werden. Diese Haushaltsmittel reichen für jährlich rund 2500 Führungen und Workshops. Tatsächlich wurden im Jahr 2012 deutlich mehr schulische Bildungsveranstaltungen durchgeführt und weit über 300 000 Euro für Honorare ausgegeben, was durch Mehreinnahmen bei privaten Führungsbuchungen nur zum Teil abgedeckt wurde. Zudem sind die Kosten durch eine notwendige Anpassung der Honorare der freiberuflichen Mitarbeiter gestiegen. Weil eine Reduzierung der Zahl der Schulangebote für uns nicht in Frage kam, war eine Änderung der Tarife für Schulklassen unabwendbar,

Nehmen Lehrer eine Führung für ihre Schulklasse in Anspruch, so kostet diese ab 1. August 30 Euro pro Stunde. Bezogen auf das genannte Beispiel heißt das: Eine Schulklasse mit 25 Schülern bucht einen (dreistündigen!) Workshop inklusive Führung in der Gemäldegalerie und beteiligt sich zukünftig mit 90 Euro an den Kosten. Pro Schüler entspricht das 3,60 Euro. Demgegenüber fallen bei den Museen 4,80 Euro je Schüler an Aufwendungen allein für Künstler- und Guidehonorare an.

Wir haben uns nach reiflicher Überlegung entschieden, in Zukunft gezielt Schulen in sozialen Brennpunkten zu unterstützen, denn es wäre bedauerlich, wenn aufgrund der Tarifanpassung bestimmte Schulen überhaupt nicht mehr in der Lage wären, die Führungsangebote der Museen in Anspruch zu nehmen. Auch bisher nutzten zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer bereits das Bildungs- und Teilhabepaket, um Museumsbesuche inklusive Führungen für benachteiligte Kinder zu ermöglichen. Diesem Umstand tragen wir mit der Einführung des „MuseumsPass Schule“ Rechnung, denn uns ist bewusst, dass für Schüler aus einem sozial schwachen Umfeld der Weg ins Museum oft vergleichsweise schwierig ist. Viele von ihnen besuchen mit der Schulklasse das erste Mal ein Museum.

Künftig sollen im Rahmen eines zweiten, inhaltlich ausgerichteten Partnerschaftsprogramms schulische Projekte gefördert werden, die insbesondere dem interkulturellen Lernen verpflichtet sind. Die Museen als außerschulische Lernorte sollen dabei nach Möglichkeit fächerübergreifend erschlossen werden und sowohl im Rahmen der Ganztagsschule als auch für die frühkindliche und vorschulische Bildung genutzt werden. Für diesen zweiten Baustein unserer schulischen Förderung müssen finanzielle Spielräume geschaffen und erwirtschaftet werden – Spielräume, die ohne Tarifanpassungen nicht zu erreichen sind.

— Prof. Dr. Michael Eissenhauer,

Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin

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