Meinung : Wer sich da aufschwingt

Von Stephan-Andreas Casdorff

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Das ist mein Aufschwung, sagte Gerhard Schröder, als er von der Leine kam und erst Kanzler werden wollte. Da nahm er für sich in Anspruch, dass Zeichen des Aufschwungs in der Endphase Helmut Kohls vor allem mit Erwartungen in ihn zu tun hätten. So ähnlich ist es jetzt; nur ist Angela Merkel nicht hemdsärmelig. Sich selbst zu loben, jedenfalls so, käme ihr nicht in den Sinn. Für sie ist Politik Physik, und es zählt, was und wer Gewicht hat. Also hat sie für solche Botschaften ihre Leute, Generalsekretär Kauder zum Beispiel. Dessen Vorname, Volker, ist in der CDU längst Synonym für volkstümlicheingängige Politikvermittlung.

Nur erübrigt das noch nicht die Antwort auf die Frage: Ist das Merkels Aufschwung? Die Sache ist komplizierter, ein simples Ja oder Nein reicht nicht. Vorausgeschickt sei allerdings der Hinweis, dass einfach alles mit allem zusammenhängt. Und so erklären es nun Leute, die es wissen müssen: Die Börse erwartet eine unternehmerfreundliche Politik. Die Unternehmer glauben das, setzen auf kommenden Zuspruch und planen Investitionen. In der Folge steigt der Geschäftsklimaindex, weil doch die Erwartungen abgefragt worden sind. Steigt der Geschäftsklimaindex, fühlen sich wiederum die Unternehmer bestätigt und neigen dazu, ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Steigen die Investitionen, steigen anschließend auch die Gewinne und die Kurse an den Börsen. Und es kommen mehr Menschen in Jobs. Fassen wir zusammen: Es sind Erwartungen über Erwartungen. Eine Prophezeiung erfüllt sich selbst.

Ach ja, ob das alles schon Merkels spezifischem Gewicht zu verdanken ist, wissen wir immer noch nicht. Denn den Gegenbeweis kann auch keiner antreten. Es gibt Indikatoren, die dafür sprechen, dass der klitzekleine Hoffnungsstreif am Horizont bei Konjunktur und Arbeit auch eingetreten wäre, wenn Schröder nicht in seiner alten Attitüde gesagt hätte: Ich will haben … dass wir wählen. Was wäre, wenn der Bundeskanzler und seine Partei weiter regiert hätten? Dann wäre es ganz vielleicht ein aus seiner Sicht dreifacher Aufschwung gewesen: für das Land, für ihn, für die SPD.

Aber vorbei, das fällt jetzt alles nicht mehr ins Gewicht. Gerade erlebt Merkel ihren Aufschwung.

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