Meinung : „Werde meinen Vorgänger nicht imitieren“

Karin Wollschläger

Benedikt XVI. hat eine neue Stimme: Federico Lombardi. Der 63-jährige Jesuit ist neuer Vatikansprecher. Lombardi, zugleich Generaldirektor des Papstsenders Radio Vatikan, tritt damit die Nachfolge von Joaquin Navarro-Valls an. Der spanische Journalist und Opus-Dei-Mann hatte 22 Jahren den Posten innegehabt. Bereits seit Monaten wurde spekuliert, wer den 69-Jährigen beerben würde. Der mediengewiefte Lombardi zählte dabei zweifelsohne zu den Topfavoriten für das Amt.

Seine profunde theologische und philosophische Ausbildung dürfte Lombardi als Sprecher des intellektuellen Ratzinger zugute kommen. Der in Saluzzo geborene Norditaliener studierte unter anderem vier Jahre an der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt am Main. Zudem erwarb der Ordensmann ein Mathematik-Diplom. Erste journalistische Schritte machte Lombardi 1973 bei der renommieren Jesuitenzeitschrift „Civiltà Cattolica“, deren Vizechefredakteur er 1977 wurde. 1991 wechselte er als Programmdirektor zu Radio Vatikan. Hinzu kam 2001 die Leitung des Vatikan-Fernsehens CTV. Im vergangenen November folgte dazu die Ernennung zum Generaldirektor von Radio Vatikan. So leitet Lombardi mit dem neuen Amt nun insgesamt drei wichtige Medienbereiche. Kenner deuten das als Signal für die seit langem nötige Umstrukturierung des schlecht vernetzten vatikanischen PR-Apparates. Zumal Lombardi den modernen Medien sehr offen gegenübersteht und sich seinerzeit dafür stark machte, dass das Papstradio zu den ersten zählte, die Podcast einführten, ein aus dem Netz herunterladbares Internetradio.

Trotz seiner steilen Karriere hat sich Pater Lombardi große Bescheidenheit bewahrt. So wirkte der Generaldirektor als Messdiener beim Gottesdienst zum 75. Geburtstag von Radio Vatikan im Frühjahr. Im Sender kennt er jeden seiner Mitarbeiter mit Namen, und wer ihm auf einem der langen Flure begegnet, kann sicher sein, dass Lombardi zuerst grüßt. Oft huscht dabei ein verschmitzes Lächeln über das Gesicht des schlanken Herrn mit dem abgetragenen Anzug.

Zum Antritt als Vatikansprecher sagte er: „Ich kann mir nicht anmaßen, meinen Vorgänger zu imitieren. Aber Sie können darauf zählen, dass ich mich meiner Aufgabe mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften widme.“ Mitarbeitern zufolge arbeitet er jetzt schon täglich 25 Stunden. Nun werden Lombardis Tage im Weinberg des Herrn wohl noch länger werden.

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