Meinung : Werkstatt der Ökumene

Auch der nächste gemeinsame Kirchentag gehört nach Berlin

Martin Gehlen

Einen derartigen Erfolg hätte sich niemand träumen lassen. Der erste Ökumenische Kirchentag hat alle Erwartungen übertroffen und sich als eindrucksvolles Zeugnis christlicher Präsenz im Lande entpuppt. Das Zusammenleben der Kirchen empfing in den fünf Tagen neue Impulse, die papiernen Theologenstreitigkeiten der letzten Jahre sind in den Hintergrund gerückt. Für die Christen war das Großtreffen eine eindrucksvolle Erfahrung und eine wertvolle Selbstvergewisserung, von der sie lange zehren können.

Beigetragen zu dem Erfolg hat nicht zuletzt die mutige Wahl des Ortes. Denn Berlin ist kein einfacher Gastgeber. Die Hauptstadt ist zwar das politische und kulturelle Nervenzentrum des Landes, gleichzeitig aber ein rauhes, säkulares Pflaster. Wer hierher kommt, der muss selbstbewusst sein, der muss etwas zu bieten haben. Wo sonst aber gäbe es in Zeiten gesellschaftlicher Neubesinnung so produktive Berührungsflächen zwischen den Kirchen und der Politik, wenn nicht in Berlin. Die Kirchen sind das Risiko eingegangen und haben den Test glänzend bestanden. Nicht nur war die Atmosphäre des Ökumenischen Kirchentages an vielen Stellen der Stadt zu finden und zu spüren. Auch die inhaltlichen Debatten in den Foren waren teilweise von bemerkenswerter Intensität und von maßgeblichem Niveau.

Natürlich haben beide Kirchen auch starke regionale Identitäten, die nicht einfach unter den Tisch fallen dürfen. Viele andere Städte in Deutschland sind eng mit der christlichen Tradition verknüpft. Darum wäre es ein falscher Weg, Christentreffen künftig nur noch in Berlin abhalten zu wollen. Ulm, Hannover, Saarbrücken und Köln heißen bis 2007 die nächsten Stationen bei den wieder getrennten Katholikentagen und evangelischen Kirchentagen. Und dabei sollte es auch bleiben.

Der nächste Ökumenische Kirchentag jedoch – nach den überwältigenden Erfahrungen der Tage von allen gewünscht – dagegen sollte nicht den Ort wechseln. Er gehört wieder nach Berlin. Und zwar im Jahr 2008. Die Kirchen könnten eine neue Tradition begründen, die allen nützt und alle bereichert: Alle fünf Jahre laden sie in die Hauptstadt ein zur geistigen und gesellschaftlichen Zeitansage. Und zum Dialog mit Politik, Regierung und Gesellschaft. Für ganz Deutschland wäre das ein großer Gewinn. Genauso wie für das künftige Zusammenleben der katholischen und evangelischen Kirche.

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