Meinung : Wessen Lied?

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Die Legitimationskrise der Arbeitnehmervertreter ist eine Folge der über alle Klassen hinweg zu beobachtenden Ausdrucksform des Spätkapitalismus: der Gier. Zwischen Arbeit und Kapital läuft es wie geschmiert, wenn Betriebsräte von der anderen Seite alimentiert werden. Bei VW, um dem damaligen Betriebsratschef ein Einkommen zu verschaffen, das sich mit einem Managergehalt messen lassen konnte und dem Empfänger das Gefühl vermittelte, dazuzugehören: zu den Managern, den Kapitalisten. Bei Siemens haben die da oben offenkundig einen bequemen Betriebsrat und dessen Truppe unterstützt, um ein Gegengewicht gegen die IG Metall aufzubauen. Der nun beschuldigte ehemalige Betriebsrat machte sich später selbstständig und wurde sogar Firmenbesitzer. Wunderbar, wenn der Seitenwechsel möglich ist. Schrecklich, wenn die abhängig Beschäftigten argwöhnisch auf ihre gewählten Vertreter in Betriebsrat und Gewerkschaft gucken müssen. Wessen Lied singen die eigentlich? Doch bei aller Empörung: Ein systematischer Kauf des Klassenfeindes ist nicht erkennbar. Die Tarifauseinandersetzungen werden das in den nächsten Wochen beweisen. alf

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