Westerwelle : Nichts zwischen Freund und Feind

Man kann eigentlich schon wetten darauf, wie Guido Westerwelle auf Kritik reagiert, gleich welcher Art. Entweder ist er beleidigt, oder er beleidigt. Und dann dieser Ton.

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Gibt es denn niemanden in der FDP, der ihm mal sagt, dass er es ruhiger angehen soll? Dass er weniger hetzen soll? Man kann eigentlich schon wetten darauf, wie Guido Westerwelle auf Kritik reagiert, gleich welcher Art. Entweder ist er beleidigt, oder er beleidigt. Und dann dieser Ton. Dass er reden kann, dass er die ganze Klaviatur der Rhetorik rauf und runter beherrscht, ist doch gar keine Frage. Bloß geht es darum nicht. An Lafontaine und anderen (besser jetzt keine weiteren Namen genannt, sonst nimmt er noch mehr übel) kann man sehen, dass es nicht sympathisch macht, so frontal zu werden. Ist ihm wirklich egal, wie die Leute über ihn denken? Nein, natürlich nicht. Aber da baut sich dieses Freund-Feind-Schema auf, das wohl bewirkt, dass die eigene Partei wie eine Wand steht. Nur kommt eben auch keiner mehr durch.

Westerwelle sieht sich verleumdet, diffamiert, verfolgt. Als Politiker, der als einziger die unangenehme Wahrheit sagt; als Homosexueller, der den meisten unangenehm ist. Die verfolgte Unschuld. Und seine FDP zwingt er in die Gefolgschaft. Denn wer, wenn nicht er, hat sie da hingebracht, wo sie jetzt ist? Niemand anderer. Deshalb erwartet er, der mindestens so misstrauisch ist wie die Kanzlerin, von der das immer behauptet wird, so etwas wie Treue. Er würde es vermutlich in der ihm eigenen Diktion Grundsatztreue nennen. Wobei der Grundsatz lautet: Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt – und das bin ich. Dieser Satz gilt. Mehr denn je. Es ist wirklich wie auf dem Schiff: (Paragraf 1) Der Kapitän hat immer recht. (Paragraf 2) Sollte er ausnahmsweise einmal nicht recht haben, tritt automatisch Paragraf 1 in Kraft. Und einen anderen Kapitän hat die FDP nicht. Noch nicht.

Er wird nicht weichen, er nicht. Beliebt war er nie, wird er auch nicht mehr, das sagt er selbst. Und weil das so ist, bemüht er sich nicht mehr? Er bemüht sich um anderes. Als eine Art Volkstribun will er angesehen werden, nach dem Motto: Ihr werdet schon noch sehen, sie werden noch auf mich hören. Seine Rede in NRW kann man auch genau so verstehen: Wenn schon keine Zuneigung, dann wenigstens Respekt. Alles schreit danach.

Aber der Respekt, den er nach dem Wahlsieg hatte, den kann er auch nicht mehr genießen. Vorbei. Es war sein großer Moment.

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