Westerwelle und Wikileaks : FDP-Chef reagiert zu zögerlich

In der Maulwurf-Affäre verhält sich Guido Westerwelle zu zögerlich. Vielleicht finden seine Parteigenossen doch eine Alternative zu ihm: Rainer Brüderle.

Stephan Haselberger

Guido Westerwelle macht seit 1980 Politik. Er hat in diesen 30 Jahren viele tatsächliche oder vermeintliche Skandale aus der Nähe verfolgt. Man darf deshalb annehmen, dass der FDP-Chef über die Dramaturgie des Politikersturzes ziemlich genau Bescheid weiß: dass nämlich den Betroffenen oftmals nicht die Affäre selbst zum Verhängnis wird, sondern der Umgang mit ihr. Umso mehr verwundert Westerwelles Vorgehen in der sogenannten Maulwurf-Affäre.

Nur zögerlich und auf Druck aus der Fraktion hat er sich dazu durchgerungen, den Hinweisen darauf nachzugehen, dass ein FDP-Mann die US-Botschaft über Interna aus den Koalitionsverhandlungen unterrichtete. Warum so zaghaft? Manche in der FDP glauben die Antwort zu kennen: Der inzwischen als Informant enttarnte FDP-Abteilungsleiter Helmut Metzner habe eben nicht im Alleingang, sondern mit Wissen Westerwelles gehandelt. Dass Metzner selbst nun versichert, der Chef sei nicht im Bilde gewesen, kann den Verdacht der Skeptiker nicht entkräften. Aber wie will Westerwelle auf Dauer Vorsitzender bleiben, wenn ihm aus den eigenen Reihen ein solches Misstrauen entgegenschlägt? Bisher pflegten seine Vertrauten stets zu sagen, es gebe zu Westerwelle keine Alternative. Einer aber hat in dieser Affäre gezeigt, wie es besser geht. Wirtschaftsminister und FDP-Vize Rainer Brüderle pochte von Anfang an auf schnelle Aufklärung.

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